Mathe mal anders – das P-Seminar von Herrn Schweiger besucht die TU in Garching

TU Garching201809.11.17. Donnerstag. 08:45 Uhr. Statt sich, nach alter Gewohnheit, auf den Weg in die Schule zu machen und sich jetzt noch halb verschlafen in die zweite Unterrichtsstunde zu setzen, sah der Morgen heute etwas anders aus. Der Hauptbahnhof Ingolstadt war der heutige Treffpunkt unserer Gruppe. Der morgendliche Trubel der Arbeiter ist schon etwas abgeflaut, dennoch wäre unbelebt wohl kaum der passende Ausdruck. Herr Schweiger beginnt nochmal nachzuzählen, ob denn auch alle da sind und schon geht’s los. „Gleis 2, der Zug geht um 9 Uhr los“, und die Schülertruppe tritt in das in Morgenlicht getauchte Bahnhofsgelände. Nach einer Stunde sind wir endlich angekommen, naja an der Zwischenstation jedenfalls. Die 14 – köpfige Gruppe scharrt sich in der Münchner Bahnhofshalle um Herrn Schweiger, auf dem Weg zur U-Bahn nach Garching. Nach einer guten halben Stunden haben wir unser Ziel erreicht: Die technische Universität Garching.

„Nochmal! Nochmal!“, schreit es in meinem Kopf und auch der Rest scheint begeistert, denn wer läuft schon Treppen, wenn er auch Rutschen kann. Die bis in den dritten Stock des Fakultätsgebäude reichende Parabelrutsche, im Herzen der Fakultät für Mathematik und Informatik, wird auch von anwesenden Studenten benutzt. Doch wir sind nicht gekommen um diese, im Unterricht eher als langweilig begriffene, Gleichung zweiten Grades hinunterzugleiten, und so betreten wir in Kürze die recht unscheinbar wirkende Ausstellung mit dem, zur Rutsche passenden, Namen „ix-Quadrat“. Obgleich der Raum auf den ersten Blick nicht viel zu bieten hat, eröffnet sich rasch bei genauerem Hinsehen eine ganz andere Welt. Wer nach diesem Besuch noch behaupten würde, Mathe sei langweilig, dem könnte man wohl kaum glauben schenken. Die seit 16 Jahren existierende Ausstellung ist ein Sammelsurium an mathematischen Kuriositäten. Spiegel, in denen man fantastische Kaleidoskope sehen kann, ein chinesischer Kompasswagen, bei dem ein Mast über ein Differentialgetriebe stets nach Norden zeigt, selbst wenn der Wagen die Fahrtrichtung ändert.
TU Garching2018 2Was ist Symmetrie? Innerhalb von Sekunden herrschte Stille als uns unsere Frau Dr. Vanessa Krummek diese Frage stellte, wobei es doch vollkommen selbstverständlich ist, oder etwa nicht? Es ist unglaublich, dass wir einfache Fragen oft nicht einfach beantworten können. Die Definition Hermann Weyls, in den Worten von Richard Feynman, würde lauten: „Ein Ding ist symmetrisch, wenn man es einer bestimmten Operation [z.B. Spiegelung] aussetzen kann und es danach als genau das gleiche erscheint wie vor der Operation.“ Symmetrie umgibt uns zu jeder erdenklichen Zeit und es fällt uns schwer, uns etwas Existierendes vorzustellen, das nicht auf irgendeine Weise der Symmetrie unterliegt. Haltet doch mal die Augen offen, wenn ihr genau aufpasst werdet ihr es nahezu überall entdecken.

Als krönenden Abschluss hatten wir noch die Möglichkeit eine Mathematikvorlesung zu besuchen, was sich in jedem Fall gelohnt hat. Denn ein nicht unerheblichen Anteil der Vorlesungsinhalte kannten wir bereits aus unserem Mathe-Unterricht, so dass wir nicht, wie von Herrn Schweiger geplant, die Vorlesung bereits nach 45 Minuten verlassen haben. Wir blieben freiwillig, bis zum Schluß.
Begonnen haben wir recht ahnungslos, doch verlassen haben wir die Universität voller Ideen und Inspirationen für unsere eigenen Projekte innerhalb unseres P – Seminars „Mathematik zum Anfassen“. Und wenn ihr wieder einmal voller Langeweile vor den Mathehausaufgaben sitzt, dann versucht doch mal, die Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn Mathe ist überall, wenn man nur die Augen offen hält.
Lukas Ziel Q11