Weg mit den Post-Its!

Bullet Journaling gegen Zettelchaos

Die Amerikaner scheinen wahre Plannerfanatiker zu sein. Nach dem Trend „Filofaxing“, bei dem es darum ging, Kalender („Planner“) zu gestalten und zu verzieren, dem „Scrapbooking“, bei dem Fotoalben dekoriert und zu Fototagebüchern umgestaltet wurden, geistert seit einiger Zeit eine dritte Erscheinung im World Wide Web umher: Das „Bullet Journaling“.

Bullet Journaling1Zum ersten Mal hörte ich davon, als ich neulich durch die mir vorgeschlagenen Videos bei Youtube scrollte, und einen Clip mit dem Namen „Bullet Journal Set Up“ entdeckte. „Was für ein Ding?“ dachte ich und klickte nichtsahnend das Video an. Ich sah ein Notizbuch mit blauem Umschlag in den Händen einer Frau liegen und wusste nicht, dass in diesem Moment eine große Leidenschaft entstehen sollte. Die Frau erklärte zunächst, sie halte ihr „Bullet Journal“ in den Händen. Du fragst dich jetzt, was ein Bullet Journal ist?
Gar nicht so leicht zu erklären: Es handelt sich hierbei nämlich um die Erfindung des amerikanischen Designers Ryder Carroll, der es satthatte, regelmäßig an der Ordnung seiner Termine, Ziele, Vorhaben etc. zu versagen und in Stapeln an kleinen gelben Klebezetteln zu versinken. So rief er das „Bullet Journal“ ins Leben: Eine Alternative zu konventionellen Kalendern, die maximale Erleichterung des Alltags, Erreichen höchster Produktivität und absolute Zufriedenheit verspricht. Doch wie soll das gehen? Schließlich benutzen z.B. Schüler seit Jahrzehnten ganz normale Hausaufgabenhefte und irgendwie klappt das ja auch.
Das Bullet Journal unterscheidet sich in ein paar ausschlaggebenden Punkten von herkömmlichen Terminkalendern oder Hausaufgabenheften. Der wohl deutlichste Unterschied ist, dass es sich im Grunde genommen nur um ein leeres Notizbuch handelt, in das der Besitzer praktisch sein ganzes Leben eintragen kann. Ein BuJo fungiert quasi als Kalender, Tagebuch, Poesiealbum, Zeichenheft und, und, und… Die leeren Seiten können dabei nach Belieben gestaltet und genutzt werden. In einem Index, den man sich gleich auf der ersten Seite angelegt hat, werden dann die Seitenzahlen und die Verwendungsweise der jeweiligen Seite eingetragen. Dem Benutzer stehen dabei alle Möglichkeiten offen, so kann er beispielsweise auf einer Doppelseite die jeweiligen Wochentage eintragen, die darauffolgende Doppelseite als Tagebuch verwenden und die danach, um Ideen für Weihnachtsgeschenke zu notieren. Gefällt einem die soeben gestaltete Seite nicht, kann einfach auf der nächsten Seite ein neuer Versuch gewagt werden. Das Bullet Journal ist nämlich ein Kalender, der mitwächst.
Ryder Caroll sagte hierzu: „Das Bullet Journaling ist ein analoges System, das dazu designt wurde, die Vergangenheit nachzuverfolgen, die Gegenwart zu organisieren und die Zukunft zu planen.”
Das Schöne daran ist, man kann den Kalender en eigenen Wünsche anpassen: To-do Listen eintragen, die Lieblingsfilme und motivierende Zitate aufschreiben, kleine Erinnerungen einkleben, Seiten verschönern – eigentlich alles, was das Herz begehrt. Hier sei angemerkt, dass sich die Gestaltung auch sehr minimalistisch halten kann und es nicht darum geht, wer am meisten Glitzerpulver auf sein Heft streut. Es geht vielmehr darum, ein individuelles Ordnungssystem zu schaffen, um die Post-its und Klebezettel vollkommen aus dem (Schul-) Alltag zu verbannen.
Bullet Journaling2Solange man jede neu angefangene Seite im Index einträgt, behält man dabei auch gut den Überblick und hat z.B. keine Probleme damit, die aktuelle Kalenderwoche zu finden, in der man die Hausaufgaben eingetragen hat. Für Schüler, auf deren Schreibtisch sich die Zettel stapeln, ist Bullet Journaling eine kreative Alternative, die man im Hinterkopf behalten sollte.
Falls du es mal ausprobieren möchtest, brauchst du nur wenige Materialien, die du größtenteils schon zuhause haben wirst:
Das Wichtigste ist, wie soll es auch anders sein, ein qualitativ hochwertiges Notizbuch. Dickes Papier, ein robuster Umschlag und vornummerierte Seiten bieten die perfekte Grundlage. Einige Fineliner, Bleistifte und ein Lineal sind noch vonnöten, und schon hast du alles, um dein Bullet Journal zu gestalten. Zahlreiche Internetbeiträge auf Blogs oder Videos auf Youtube können dir hierbei als Inspiration dienen.
Für mich stellt das Bullet Journal den perfekten „Planner“ dar. Eine Mischung aus Tagebuch, Kalender und Zeichenheft, den ich immer dabeihabe und der es geschafft hat, meinem Zettelchaos die Stirn zu bieten.

von Margherita Ragucci