„Ich wollte schon immer Geschichten erfinden.“ – Ein Nachmittag mit der Jungautorin Julia Pflug von Sophia Fois

Alle lauschen aufmerksam. Die Situation ist entspannt und doch will sich jeder von dem Talent der erst 13- jährigen Autorin ein Bild machen. Konzentriert und professionell – als hätte sie noch nie etwas anders getan – liest Julia Pflug aus ihrem 453 Seiten umfassenden Erstlingswerk namens „Finnley Erde“, das sie schon mit elf Jahren anfing zu schreiben.
„Mir hat es eigentlich schon immer gefallen, Geschichten zu erfinden“, erzählt sie stolz ihrem Publikum, als sie am Freitag, den 15.Oktober 2015, in der Buchhandlung Hugendubel erstmals ihren Debütroman, den ersten Band einer geplanten Trilogie, vorstellt. Und spätestens jetzt wird klar, dass es Julia weder an Kreativität noch an der Begabung, das Publikum in ihren Bann zu ziehen und es in die Geschichte eintauchen zu lassen, fehlt.
„Finnley Erde“ handelt von einem Mädchen namens Grace, das sich nach dem Erwachen auf einer verlassenen Insel wiederfindet und sich an nichts mehr erinnern kann. Zum Glück trifft sie dort auf den gleichaltrigen Luke, einen der Piraten des Schiffes, auf dem sie anschließend aufgenommen und umsorgt wird. Doch weiß Grace immer noch nicht, wer sie ist und woher sie kommt – so viele Fragen, die es zu beantworten gilt. Nach und nach lichtet sich ihre Unwissenheit und ihr Augenmerk ist fortan auf ein Mädchen in ihrem Alter, das die Piraten zufällig zwischen den Trümmern eines Schiffes entdecken und dem sie eine Unterkunft bieten, gerichtet. Dieses scheint etwas zu verbergen, jedoch kann Grace bis dahin nur vermuten, warum ihr dieses Mädchen so vertraut vorkommt. Denn noch weiß die Protagonistin nicht, dass sich die beiden eine einzigartige Gabe teilen, die alles zu zerstören droht.
Nach der Lesung war die Achtklässlerin dann bereit, einige Fragen über sich und ihre Idee zum Buch zu beantworten. Julia ist erst letztes Jahr in den Osterferien mit ihrer Familie von Mainz nach Ingolstadt gezogen und musste sich auf dem neuen Gymnasium, dem Apian, erstmal einleben. Außerdem erfährt man, wie sie schon sehr früh anfing, sich für das Schreiben zu interessieren: „Im Kindergartenalter habe ich mir gern Geschichten ausgedacht. Damals mussten sie noch von meiner Mutter festgehalten werden.“ Heute liest ihre Mutter Lydia nur noch Korrektur.
Der Grundstein ihrer Geschichte stammt aus der Grundschule, wo sie sich mit ihren Freundinnen vorstellte, gegen eine bedrohliche Übermacht zu kämpfen: „Wir haben daraus ein Spiel gemacht, aber als ich mich vor zwei Jahren wieder mal daran erinnerte, dachte ich mir: Daraus kann man doch eine spannende Geschichte machen!“
Der zweite Teil der Trilogie ist auch schon fast fertig. Ihr Vorbild ist die britische Schrifttellerin J.K. Rowling, selbstverständlich hat Julia schon alle Bände der „Harry-Potter“-Reihe verschlungen.
Auf die Frage, welchen Beruf sie später einmal ausüben wolle, antwortet sie ohne zu zögern mit: „Autorin! Zumindest nebenberuflich…Denn es kann immer mal vorkommen, dass man davon allein nicht über die Runden kommt.“ Gegen Ende vergisst sie nicht zu erwähnen, dass es ihr Buch auch zu kaufen gibt (15,99€, Books on Demand).
Ich finde, das Buch wird während des Lesens nicht langweilig und ist sehr verständlich geschrieben. Auch ist anzumerken, dass die Jungautorin für ihr Alter ein gutes Sprachgefühl und viele kreative Ideen hat, wodurch das Buch lebendig wird.
Wem also Fantasyromane mit einer leichten Spur von Romantik und die Tatsache, ein Buch zu lesen, welches aus der Sicht und mit der Erfahrung einer vielleicht sogar gleichaltrigen Autorin geschrieben wurde, gefallen, sollte einfach mal reinlesen und sich von „Finnley Erde“ verzaubern lassen!