Was passiert, wenn uns das Erdöl ausgeht?

Es dient als Treibstoff und wird genutzt, um Energie zu erzeugen, es wird zur Produktion von Plastik, Farben, Kosmetika, Medikamenten und vielen weiteren Dingen benötigt, und ohne diesen Rohstoff gäbe es wahrscheinlich weder Flugzeuge, noch Autos. Erdöl ermöglicht uns erst unseren bequemen Lebensstil und ist aus unserer modernen Welt nicht mehr wegzudenken.
Was viele allerdings nicht wissen, ist, dass die Geschichte des Erdöls viel älter ist. Schon in der Steinzeit befestigten manche Jäger ihre Pfeilspitzen mit einer klebrigen Masse, dem Bitumen, welches auch als Pech oder Teer bekannt ist und aus Erdöl gewonnen wird. Schon vor Tausenden von Jahren dichtete man hiermit im heutigen Iran Boote ab und persische Bogenschützen kamen schon früh auf die Idee, ihre Pfeile in das leicht entflammbare Bitumen zu tauchen, um dieses anzuzünden.
Aber erst im 19. Jh. begann die Ausbeutung der Rohölreserven im großen Stil. Damals suchte man nach einem kostengünstigen Lampenbrennstoff, da das zuvor benutzte Walöl nur für die wohlhabendere Schicht der Bevölkerung erschwinglich war.
Heute pusten wir mehr als zwei Drittel des Erdöls schlicht durch den Schornstein beziehungsweise durch den Auspuff. Öl steckt mittlerweile, in Form von chemischen Stoffen, die aus Erdöl gewonnen werden, in den meisten Produkten, die wir im Alltag nutzen. PVC (Polyvinylchlorid) etwa – ein Kunststoff, der auf Erdöl basiert – steckt in Fensterrahmen, Fußbodenbelägen und medizinischem Gerät, zum Beispiel in Schläuchen, Polyurethan eignet sich hingegen für Schaumstoffe in Polstermöbeln und Matratzen und Polystyrol befindet sich in jeder Styropor-Verpackung. Ohne Erdöl gäbe es also weder Plastikflaschen, Fernseher, Smartphones, Staubsauger oder Sofas noch Kleidungsstücke aus Kunstfasern.
Aber Erdöl ist, genau wie Erdgas oder Kohle, ein fossiler Rohstoff, was bedeutet, dass es in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von toten Pflanzen und Tieren entstanden ist, und es ist deshalb nicht unbegrenzt verfügbar. Daraus lässt sich folgern, dass das Erdöl irgendwann aufgebraucht sein wird. Die Wissenschaftler streiten sich noch darüber, wieviel Erdöl es in Wahrheit noch auf der Erde gibt. Doch das ist auch nicht so entscheidend, da es einen großen Unterschied macht, wie schwierig es ist, das Erdöl an einer bestimmten Stelle zu fördern. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Tag kommen wird, an dem es keinen Tropfen Erdöl mehr auf diesem Planeten gibt, denn mit aufwendigeren Fördermethoden, wie zum Beispiel dem für die Umwelt problematischen „Fracking“, bei dem Flüssigkeiten mit extrem hohem Druck in das Gestein gepresst werden, um kleine Gesteinsrisse zu erzeugen, die es ermöglichen, auch noch die letzten Reste an Öl zu gewinnen, lässt sich unter großem Aufwand auch weiterhin noch Öl fördern. Außerdem liegen an manchen Stellen auf dieser Erde, wie beispielsweise im Golf von Mexiko, tausende Meter unter dem Meeresspiegel, noch riesige Ölvorkommen. Bisher lohnt es sich finanziell nicht, solche Vorkommen anzuzapfen, doch wenn der Ölpreis weiter ansteigt, wird es rentabel werden, dies zu tun.
WaspassiertmitdemErdlDer Ölpreis wird also höchstwahrscheinlich vorerst immer weiter ansteigen, bis Produkte wie Plastik oder Benzin für die meisten Menschen nicht mehr bezahlbar sind. Spätestens dann wird sich die Menschheit nach einer erschwinglichen Alternative zum Erdöl umschauen müssen.

von Jan Philipp Rave, 9c