Sind wir alleine im Universum?

- Von Aliens und ihrer Existenz

 „Die Seele leuchtete im strahlenden Licht des Operationssaals, heller als das silbern blitzende OP-Besteck in seiner Hand. Wie ein lebendiges Band wand und kräuselte sie sich, streckte sich, froh, dem Tiefkühlbehälter entronnen zu sein. Ihre dünnen, fedrigen Fortsätze – es waren über tausend – wogten sanft umher wie matt-silbernes Engelshaar. […] Vorsichtig legte Darren das kleine, schimmernde Wesen in die Öffnung, die Fords in den menschlichen Nacken geschnitten hatte. Die Seele glitt sanft in den vorgesehenen Raum und verflocht sich mit dem fremden Körper.“

Dieser Ausschnitt stammt aus dem Prolog von Stephanie Meyers Fantasy-Roman „Seelen“, in dem Wesen, genannt Seelen, die Erde kolonialisieren und die Menschen als ihre Körper in unserer Welt nutzen. Das Außerirdische hat die Menschen schon lange fasziniert und mittlerweile gibt es tausende Vorstellungen der „kleinen grünen Männchen aus dem All“. Doch so sehr uns diese fremden Wesen auch faszinieren oder so sehr wir sie gar fürchten: Wie kommt es, dass auf der Erde noch keine Zeichen außerirdischen Lebens entdeckt wurden? Ist es für uns überhaupt möglich, extraterrestrische Lebensformen zu entdecken oder sie gar richtig kennenzulernen und uns mit ihnen zu verbinden, wie im Science-Fiction-Film „Avatar“, in dem die Menschen mit den Na´avi zusammenleben? Gehen wir diesem Mysterium auf die Spur, welches in Fachkreisen als das Fermi-Paradoxon bekannt ist.

Die Weiten des Universums sind für uns Menschen unbegreiflich, noch dazu expandiert es stetig, wächst in seiner Größe ins Unvorstellbare. Neuerdings haben wir auch herausgefunden, dass Planeten, also kugelähnliche Himmelkörper, gar nicht so selten sind, demnach hätte es ja mehr als genügend Gelegenheiten geben sollen, dass sich Leben entwickelt. Doch konzentrieren wir uns erstmal auf unsere direkte Nachbarschaft im All, da der Rest für uns kaum zugänglich ist. Alleine in der Milchstraße existieren über 400 Billionen Sterne, eine Zahl so groß, dass für jedes Sandkorn der Erde knapp 10 000 Sterne existieren. Davon sind circa 4 Billionen sonnenähnlich und haben einen erdähnlichen Planeten in ihrer sog. „habitablen Zone“, das Gebiet um einen Stern, in dem die perfekten Bedingungen für Leben, wie wir es kennen, existieren kann. Und würde auch nur ein kleinster Bruchteil davon Aliens beherbergen, so gäbe es immer noch über 1 Millionen davon mit uns fremden Lebewesen.

Doch genug der Zahlen, unsere Heimatgalaxie ist älter als wir es uns vorstellen können und unsere Erde vergleichsweise jung, auch deshalb hätte es genügend Möglichkeiten geben müssen, dass sich andere Lebensformen entwickeln. Doch wie sähen diese hochentwickelten Zivilisationen aus? Es gäbe drei mögliche Arten, die nach der Art und Effizienz ihrer Energiegewinnung klassifiziert sind:

Typ 1: Dieser Zivilisationstyp wäre in der Lage dazu, die gesamte ihm zur Verfügung stehende Energie auf seinem Heimatplaneten zu nutzen. Wir verwenden zum jetzigen Zeitpunkt nur einen Bruchteil des Möglichen, was uns gewissermaßen zu einer Typ 0- Zivilisation macht.

Typ 2: Lebensformen dieses Typs hätten die technischen Mittel, um die gesamte Energie ihres Heimatsterns zu nutzen, was zwar sehr nach Science Fiction klingt, in der technischen Umsetzung aber sehr wohl möglich ist. Konzepte wie die Dyson-Sphäre wären hierfür eine Lösung. Diese ist ein gigantisches, um einen Stern gebautes, Konstrukt, das das von ihm ausgestrahlte Licht in brauchbare Energie umwandelt und zugänglich macht. Um einen roten Zwerg gebaut wäre es möglich, Millionen von Jahren diese Energie zu nutzen, womit dieser Typ nicht mehr von konventionellen Energiequellen abhängig wäre.

Typ 3: Ihre gesamte Galaxie und die darin vorhandene Energie kontrollierend würde uns diese hochentwickelte Alienrasse quasi gottesgleich erscheinen, in der Lage dazu, die Welt, wie wir sie kennen, in kürzester Zeit zu vernichten. Sie wären in der Lage dazu Technologien zu gebrauchen, von denen wir selbst in unseren kühnsten Träumen nicht zu träumen wagen.

In Anbetracht dessen, dass diese intelligenten Außerirdischen womöglich viel mehr Zeit hatten als wir sich zu entwickeln, da das Universum schon seit über 13,7 Milliarden Jahren existiert, stellt sich die Frage: Wo sind all die Aliens?

Dies ist das Fermi-Paradoxon, benannt nach dem Physiker Enrico Fermi. Eine Erklärung dafür wären die „Great Filters“, zu deutsch „Große Filter“. Filter bezeichnet in diesem Fall eine Barriere, die für Leben sehr schwer zu überwinden ist. Wenn das so wäre, gäbe es eine gute und eine schlechte Nachricht, was passiert sein könnte. Fangen wir doch mal mit der guten an: Es gibt Great Filters und wir haben sie überwunden, was für uns bedeuten würde, dass wir in naher Zukunft wohl zu einem der drei Zivilisationstypen werden und vielleicht sogar andere Planeten bevölkern könnten. Dann wäre da noch die schlechte der beiden: Es gibt Great Filters und es liegen noch welche vor uns. Dies würde bedeuten, das Blatt würde sich wenden und wir werden womöglich von der Bildfläche verschwinden, sobald wir einen bestimmten Punkt in unserer Entwicklung erreicht haben. Ein Filter könnte z.B. ein Atomkrieg oder der Klimawandel sein. Vielleicht gibt es sogar eine fantastische futuristische Technologie, die aber bei ihrer Aktivierung den Planeten zerstört. Eine andere Möglichkeit wäre eine mächtige Typ 3-Zivilisation, welche andere Zivilisationen zerstört, sobald sie eine gewisse Entwicklungsstufe erreicht haben.

Dieses Paradoxon ist jedoch nur ein solches, weil die ihm zugrunde liegenden Annahmen zweifelhaft und nicht einfach beweisbar sind, besonders da es sehr unwahrscheinlich zu sein scheint, dass außerirdisches Leben nicht existiert, aber dies zugleich nicht mit unseren Beobachtungen des Universums übereinstimmt. Dazu gibt es wiederum ein paar Lösungen, die diesen Widerspruch auflösen würden, jedoch – wie alles andere – rein theoretischer Natur sind. Die Erde ist, wie zuvor schon erwähnt, sehr sehr jung, besonders im Vergleich zu unserem Universum, und wir haben erst im letzten Jahrhundert begonnen, unser astrales Umfeld genauer zu studieren. Es könnte sein, dass sich bereits ganze Imperien von Außerirdischen aufgebaut haben und wir sie schlicht und einfach verpasst haben.
Außerdem haben wir keinen Grund anzunehmen, dass unsere Logik die gleiche ist wie ihre und die Verständigung zwischen uns problemfrei laufen würde, wie es in Filmen gerne dargestellt wird. Menschen verschiedener Kulturen auf der Erde haben manchmal schon gewaltige Kommunikationsprobleme, selbst wenn sie dieselbe Sprache sprechen, nicht auszudenken, wie es mit einer vollkommen anderen Spezies ablaufen würde.
Und selbst wenn es eine intelligente Alienrasse geben würde, die technisch fortgeschrittener ist als wir, welchen Grund hätten sie denn, Galaxien erobern zu wollen? Eine Apparatur wie das sog. „Matrioshka Brain“, ein gigantischer Computer mit enormer Rechenleistung, würde es ermöglichen, sein Bewusstsein hochzuladen und dort virtuell ein perfektes Leben zu führen! Wer würde da denn noch mit anderen Lebensformen in Kontakt treten wollen?

Fakt ist, der Mensch ist noch eine ziemlich junge Art, die diesen, um einen Stern kreisenden Felsbrocken bewohnt, und uns steht noch vieles bevor. Wir fangen grade erst an, technische Möglichkeiten auszuschöpfen und neue effizientere Wege der Energiegewinnung und
-nutzung zu entdecken. 99% der Arten, die jemals auf dem „blauen Planeten“ gelebt haben, sind schon ausgestorben, vielleicht sind wir auch bald an der Reihe, wo wir doch gerade erst begonnen haben, die uns umgebende Welt zu erfassen.

Es geht eine unbegreifliche Faszination von diesen Weiten über unseren Köpfen aus. Es ist atemberaubend, was uns da draußen noch alles erwarten könnte, und viele wären sicher drauf und dran einen Trip ins All zu wagen, doch vielleicht sollten wir uns erstmal um unseren Heimatplaneten kümmern. Denn es sind noch längst nicht alle Probleme aus der Welt geschafft, der Klimawandel und unser Umgang mit der Umwelt erweisen sich als sehr belastend und könnten eine große Bedrohung für uns darstellen. Bis wir gelernt haben, in Harmonie und Frieden miteinander zu leben, wäre es wohl besser, wenn der Traum von den Außerirdischen weiterhin nur Stoff der Welt von Büchern und Filmen bleibt.

von Lukas Ziel, Q11