Glück – Was ist das?

Glück – ein Wort mit einem breiten Bedeutungsspektrum, aber unmöglich, es genau zu definieren. Im Internet gibt es viele Zitate von berühmten Schriftstellern und Philosophen, die versuchen zu  beschreiben, wie Glück „funktioniert“ oder was Glück ist. Doch nicht der weiseste Satz könnte dessen große Bedeutung in der Gesellschaft, die wissenschaftlichen Hintergründe und die Frage, wie man Glück findet, widerspiegeln.

GlckWenn man in der Internet-Suchmaschine Yahoo den Suchbegriff „Glück“ eingibt, erscheint als erster Treffer die Internetseite der bekannten und riesigen Reiseagentur „Holidaycheck“, was dich im ersten Moment wahrscheinlich ziemlich verwundern wird – genauso wie mich anfangs – oder weshalb du vielleicht lachen und dich fragen wirst, wo hier die Gemeinsamkeiten liegen. Der zweite Treffer ist eine Autovermietungsfirma, für Autoliebhaber bestimmt nachvollziehbar, für mich leider nicht. Diese Suchanfrage zeigt letztendlich, dass jeder eine andere Vorstellung von Glück hat. So gibt es im Netz beispielsweise eine Weltkarte des Glücks, die zeigt, dass Japaner notorisch unzufrieden sind, Mittelamerikaner eher fröhlich, dass US-Bürger leichter mit einem Risiko leben als die Europäer. Die weltweit glücklichsten Menschen der Welt wohnen laut dem Glücksatlas 2016 in Dänemark, Deutschland liegt auf dem 16. Platz.

Schon seit der Antike galt das Glück als Wegweiser zur Lebenskunst, die ihrerseits als Grundlage zu einem glücklichen Dasein gesehen wurde. Als glücklich wurde der bezeichnet, der einen guten Daimon, also ein Gewissen, hatte, das ihn zu tugendhafter Lebensführung anleitete. Auch heute steht das Glück immer noch im Zentrum der großen Fragen der Menschheit. So beschäftigt sich die moderne Psychologie mit vielen Faktoren und Methoden, die die Seele stark machen können.

Wissenschaftlich gesehen ist für unser Glücksempfinden vor allem das komplexe Zusammenspiel von bestimmten Substanzen zuständig, die man Botenstoffe nennt und durch deren Ausschüttung auch jede andere Gefühlslage bestimmt wird. Zu den sechs wichtigsten zählen die Transmitterstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und die Hormone Oxytocin, Endorphin und Kortisol, die allesamt im Gehirn gebildet werden. Anders als Hormone, die durch unser Blut übertragen werden, werden Transmitter zur Reizübertragung an chemischen Kontaktstellen zwischen zwei Nervenzellen, kurzum den Synapsen, freigesetzt. Wenn also in der Nervenzelle ein elektrisches Signal übertragen wird und dieses an die Synapse gelangt, wird der elektrische in einen chemischen Reiz umgewandelt, indem die Zelle einen Botenstoff in den sogenannten synaptischen Spalt ausschüttet und der Botenstoff an den Endknöpfchen der nächsten Nervenzelle wieder aufgenommen, verarbeitet und als elektrischer Impuls weitergeleitet wird. Dabei hängt deine Stimmung von der Anzahl der ausgeschütteten Substanzen ab, wobei aber auch deine DNA darüber entscheidet, wie intensiv du Gefühle und Glück erlebst. Der Botenstoff Serotonin spielt zum Beispiel für Menschen mit Depressionen eine große Rolle, denn er soll sie „glücklicher“ machen, indem er deren Emotionen positiv beeinflusst. Hierbei stellt sich aber auch für viele Forscher die bisher ungeklärte Frage, ob man durch das Steuern der eigenen Botenstoffe gezielt seine Stimmung aufhellen kann. Dieses Thema wurde schließlich auch in zahlreichen Ratgebern mit Tipps, wie man angeblich seine „Happy Chemicals“ erhöhen kann, aufgenommen.

Ist Glück also doch nur ein chemischer Cocktail? Gibt es zum Glücklichsein ein für alle wirksames Rezept mit wohldosierten Stimmungsmachern? Zu wenig Dopamin? Du fühlst dich unmotiviert, unkonzentriert und lustlos? Dann empfehlen uns die Wissenschaftler, eine Runde Joggen, Singen im Chor oder einfach Lachen – das aktiviert unsere  Endorphine, wir fühlen uns gleich viel besser! Wir wollen eine bevorstehende Prüfung meistern? Bei Herausforderungen, Stress oder Gefahr steigert  dieser Stoff auch deine Motivation, Geistesgegenwart und Aufmerksamkeit  – damit man der Situation gezielt ins Auge sehen kann.  Zuviel davon kann uns jedoch auch blockieren. Nicht zu vergessen das sogenannte Kuschelhormon „Oxytocin“ – es sorgt für das zwischenmenschliche Vertrauen, den Gruppenzusammenhalt und für „Frühlingsgefühle“.

Es scheint so einfach, aber das Zusammenwirken dieser Botschafter von Freud und Leid ist komplex und wirkt bei jedem Menschen individuell. Sicher ist jedoch, dass Glück süchtig macht und jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.

von Louisa Wenzel