„Es ist eines der schönsten Gefühle, die es gibt.“ –

Interview mit Herrn Steib zu den Themen Stress und Verliebtsein

- durchgeführt von Tamina Obermeier

Tamina: Nachdem Sie ja auch Schulpsychologe sind, würde es mich interessieren, ob die Geschichten, die Ihnen von Schülern erzählt werden, Sie sehr mitnehmen, und wenn ja, wieso.

Herr Steib: Naja, ich würde sagen, teils, teils. Als ich angefangen habe, als Schulpsychologe zu arbeiten, haben einen die Geschichten noch viel stärker belastet, weil man das so noch nicht kennt und es für einen neu ist. Mittlerweile nimmt es mich jedoch bei weitem nicht mehr so stark mit, aber es gibt doch immer viele Schicksale, die mich zum nachdenken bringen oder auch belasten. Das ist dann nicht immer ganz leicht zu verarbeiten.

Wie verarbeiten Sie denn Geschichten, die Ihnen erzählt werden?

Verarbeiten, naja. Ich mache einen sehr großen Teil mit mir selbst aus, da ich auch nicht mit so vielen Leuten darüber sprechen darf - ich habe ja Schweigepflicht. Wenn mir etwas sehr, sehr nahegeht, rede ich auch oft mit meiner Freundin darüber, weil ich es einfach loswerden will, meistens einfach ohne Namen. Wir haben aber auch so etwas wie Supervisionsgruppen, das heißt es treffen sich Schulpsychologen, meistens fünf bis acht, alle zwei Monate einmal und wir sprechen miteinander über schwierige Fälle, die wir hatten. Wir rückversichern uns dann darüber, ob das, was wir gerade so machen, gut oder richtig ist, und ob das andere genauso gemacht hätten. Das ist auch ganz praktisch, um ein bisschen was loszuwerden.

Ganz andres Thema: Wie gehen Sie persönlich denn mit Stress um?

Ich habe natürlich meine Entspannungstechniken. Es gibt natürlich Phasen, in denen man echt viel Stress hat, meistens, wenn Schulaufgaben anstehen und man auch so viel zu tun hat, aber ich habe eine ganz gute funktionierende Beziehung, ich habe eine tolle Familie und ich habe viele Freunde, mit denen ich viel reden kann und die mich sehr gut ablenken können. Ab und zu mache ich auch Sport, zwar nicht mehr so oft, wie früher, aber ein- bis zweimal pro Woche schaffe ich es. Das sind so meine grundlegenden Stressabbautechniken.

Haben Sie denn irgendwelche Tipps für die Schüler, wie sie mit Stress vor Schulaufgaben besser umgehen können?

Der einfachste Tipp ist einfach zu lernen und auch frühzeitig zu lernen, damit es nicht zu viel auf einmal wird und sich am besten für jede Schulaufgabe einen Plan zu schreiben, was man überhaupt alles lernen muss, um auszuschließen, dass man irgendwas vergessen hat. Vielleicht ein weiterer auch ganz wichtiger Tipp ist, dass man unmittelbar vor der Schulaufgabe Gespräche mit Klassenkameraden vermeidet, da diese einen eher wahnsinnig machen und einem das Gefühl geben, man hätte nicht alles gelernt. Danach denkt man eher „Mist, ich kann jetzt gerade gar nichts“ und fühlt sich unsicherer als zuvor.

Meine letzte Frage ist: Wie würden Sie das Gefühl verliebt zu sein in eigenen Worten beschreiben?

Puh, schwere Frage... Sich zu jemandem hingezogen fühlen, obwohl man gar nicht genau weiß, warum. Sich auf jemanden und nur auf diesen Jemand zu freuen, wenn man ihn wiedersieht. Sich am Anfang noch mehr zu freuen, auch wenn man sich noch gar nicht so gut kennt, einfach nur, dass jemand, an dem man vielleicht gerade vorbeigeht einen anlächelt, oder dass derjenige einen zum Grinsen bringt, obwohl man gar nicht so genau weiß, warum eigentlich. Und ich würde sagen, es ist eines der schönsten Gefühle, die es gibt und teilweise auch eines der kompliziertesten Gefühle, weil man gerade in eurem Alter auch sehr oft unsicher ist, ob der andere auch verliebt ist und man vielleicht auch ganz viel hineininterpretiert. Zum Beispiel, wenn derjenige nicht zurückschreibt, obwohl er die Nachricht offensichtlich schon gelesen hat. Es ist immer sehr, sehr kompliziert. Also ist es insgesamt sehr, sehr schön und gleichzeitig echt kompliziert.

Vielen Dank für das Interview, Herr Steib!

von Tamina Obermeier