Ganz neu und "druckfrisch":

 

Der Reuchlin Kurier

"Die Psyche"

 

Alice im Psycholand – Wenn sich die Seele spaltet  


„Im Nu war Alice nachgesaust, ohne auch nur von fern daran zu denken, wie in aller Welt sie wohl wieder herauskäme. Ein Stück weit führte der Tunnel geradeaus, doch dann fiel der Gang plötzlich ab, so  unvermittelt, daß an ein Innehalten nicht mehr zu denken war und Alice auch schon in einen abgrundtiefen Schacht hinunterfiel.“ – Lewis Carrol

Jeder kennt wohl die Geschichte von „Alice im Wunderland“, in der das kleine Mädchen Alice durch ein Kaninchenloch in die verrückte und verdrehte Welt von Wunderland fällt. Doch in dem Verhalten der Charaktere lassen sich viele Geisteskrankheiten finden, die auf Krankheiten der Klasse der Psychosen hindeuten. Die kleine Alice zum Beispiel könnte an paranoider Schizophrenie, einer Störung mit Symptomen wie Größenwahn und Halluzinationen, ohne nachhaltige Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten, leiden,der verrückte Hutmacher dagegen an den Nachwirkungen einer Bleivergiftung, durch die Produktion seiner Hüte.

Doch was ist eine Psychose überhaupt? Eine Psychose an sich ist eine Krankheit,  die mit Verlust des Realitätsbezuges einhergeht, oftmals auch mit einem Verlust der Kohärenz (Zusammenhang) des eigenen Wesens. Der Kohärenzverlust entsteht laut Psychotherapeuten dadurch, dass Psychotiker meist nicht in der Lage sind, unannehmbare Triebansprüche zu verdrängen, und diese in selbstständige Bewusstseinssysteme abspalten, die wohlbekannten „Stimmen“.

Die Entstehung derer geht meist auf die Verdrängung von Erlebnissen aus früher Kindheit zurück: Traumata, Missbrauch oder Zurückweisung. Im Gegensatz zu der Neurose, die oftmals durch traumatische Erlebnisse oder unterbewusste Störung der Erlebnisverarbeitung verursacht wird, haben Psychosen organische Ursachen, auch wenn diese manchmal nicht klar erkennbar sind. Man unterscheidet in der Psychiatrie zwischen zwei Arten der Psychose, der endogenen und der exogenen Psychose. Endogene Psychosen sind jene ohne jegliche erkennbare organische Ursache, wobei nicht auszuschließen ist, dass eine vorhanden ist. Exogene hingegen lassen sich auf Organ-,  bzw. Hirnveränderungen zurückführen, zum Beispiel auf Folgeerscheinungen eines Tumors oder auf einen Vergiftungszustandes, wie er bei der Halluzinose durch übermäßigen Alkoholkonsum auftritt. Erkennbar sind oftmals eine Veränderung und Störung des Affekts, Denkens, Verhaltens und der Persönlichkeit. Charakteristisch ist auch die Unfähigkeit, objektive Erlebnisse und subjektive Erfahrungen zu unterscheiden, Störung der Kommunikationsfähigkeit und, in extremen Fällen, völlige Desintegration der Persönlichkeit.

Häufig wird die Schizophrenie mit den Psychosen in Verbindung gebracht, eine Form der endogenen Psychose. Wenn eine Schizophrenie vorliegt, ist die Persönlichkeit des Leidenden gespalten, ähnlich wie es bei Gollum aus der „Der Herr der Ringe“ – Trilogie der Fall ist, oder? Die Antwort lautet Nein, dies ist ein häufiger Fehler der Einschätzung! Eine Spaltung der Persönlichkeit ist keine Psychose und zählt ebensowenig zu der Gruppe der Schizophrenien, es handelt sich hierbei stattdessen um eine dissoziative bzw. multiple Persönlichkeitsstörung. Die Schizophrenien sind eine Gruppe der endogenen Psychosen (Katatonie, Hebephrenie und Paranoia), die auf eine „Spaltung“(gr. schizein = spalten, zerspalten) des Denkens und Handelns hindeuten. Primäre Symptome dieser Krankheit sind unter anderem Zerfahrenheit, Konzentrationsstörungen, sprachliche Inkohärenz und übertriebenes Symboldenken. Zu sekundären Symptomen dagegen zählen Verfolgungsideen, Paranoia und vor allem Halluzinationen. Die Sinnestäuschung der Halluzination ist aber nicht zu verwechseln mit der Illusion, wobei ein realer Sachverhalt verändert wahrgenommen wird, bei der Halluzination hingegen liegt eine Wahrnehmung ohne jegliche äußere Reizgrundlage vor. Außerdem treten auch noch Ängste oder unangemessenes Verhalten auf.

Eine frühe Diagnose zu erstellen ist meist sehr schwer, da die Anfangssymptome langsam und schleichend eintreten. Oftmals beginnt es mit einer Stimme, manchmal kommentiert sie auch einfach nur die momentane Aktivität. Mit der Zeit gewinnt diese unter Umständen an Stärke, es beginnen weitere hinzuzukommen, zusätzlich können beispielsweise das übertriebene Symboldenken und die Angstzustände auftreten. In ihrem Verhalten sind Schizophrene meist unberechenbar, Perioden katatonen Stupors (= völlige Gehemmtheit, teilweise sogar bis zur Nahrungsverweigerung) bis zu Phasen manieartiger Aktivität können innerhalb kurzer Zeit wechseln. Das zuvor genannte „schizein“ in „Schizophrenie“ bezieht sich außerdem nicht nur auf den inneren Zusammenhalt, sondern zudem auch auf eine Abspaltung von der sozialen Gemeinschaft, da das abnorme Verhalten der Leidenden für Außenstehende meist unverständlich und nicht nachvollziehbar ist, sie meist in sich hineinleben und nach außen hin daher oft kalt, gleichgültig und desinteressiert wirken. Eine intellektuelle Beeinträchtigung tritt dagegen eher selten auf, gelegentlich allerdings eine Herabsetzung der intellektuellen Leistungsfähigkeit, jedoch eher bei chronischen Formen. Die Merkmale einer Schizophrenie müssen aber nicht gezwungenermaßen nur bei dieser Krankheit auftreten, auch bei einer schizoaffektiven Störung oder klinischer Depression können einige dieser Symptome auftreten, was eine eindeutige Diagnose oftmals erschwert.

Ein Psychiater sagte einst zu Eleanor Longden, einer Frau mit der Diagnose Schizophrenie, sie solle lieber hoffen, sie hätte Krebs, denn das wäre einfacher zu behandeln als das, was sie habe. Das fasst die Therapie ziemlich gut zusammen, denn es ist sehr schwer möglich, eine Psychose zu therapieren, dennoch ist es nicht unmöglich. Psychotiker werden meist mit Neuroleptika behandelt, einem Medikament, das die Dopaminaufnahme im Körper blockiert, den Wahnvorstellungen und Halluzinationen entgegenwirkend. Doch bei der medikamentösen Therapie können Schädigungen des Gehirns auftreten, auch Störungen der Bewegungsabläufe zählen zu den Nebenwirkungen, manchmal verstärkt diese sogar andere Symptome.

Dennoch können Menschen mit dieser Krankheit geheilt werden, durch ein Zusammenspiel verschiedener Therapieformen, sowie ihr wachsendes Verständnis für deren Symptome und die Krankheit an sich. Ein Hinterfragen der tatsächlichen sprachlichen Symbolik kann hilfreich sein, oft auf eigene Unsicherheiten oder Ängste aufmerksam machend. Aber Fortschritte werden nicht alleine erzielt, eine Kooperation mit Psychiatern und Psychotherapeuten ist dafür nötig.

Denn die Monster leben nicht unter deinem Bett, sondern in deinem Kopf.

von Lukas Ziel

 


 

Kreisch! Das muss ich unbedingt haben!“ -  Wie uns Werbung manipuliert

Jede Firma will, dass die Kunden ihre Produkte kaufen, dass sich der Kunde an diese erinnert. Dafür mit einer guten Strategie zu werben, ist nicht leicht.
Hierbei hängt alles von der Kreativität der Marketing-Leute ab, die für Erfolg und Misserfolg der Werbung verantwortlich sind. Und mit diesem Wissen werden dann kleine Tricks angewendet, die uns Konsumenten manipulieren. Die Tricks müssen nicht auffällig sein, oft genügen schon ein paar simple Kniffe, die die Aufmerksamkeit der Konsumenten wecken.  
 
Hier einige Tricks der Werbung in der Übersicht:

1. Das Konzept „AIDA“
„A“ – für Aufmerksamkeit des Konsumenten („attention“)
„I“- für das Wecken des Interesses („interest“)
„D“- für den Wunsch, die beworbene Sache zu besitzen („desire“)
„A“- für den Kauf des Produkts („action“)

2. Farben und Formen
Die Farbgebung in der Werbung ist entscheidend. Denn Farben rufen bei den Betrachtern Emotionen hervor. So verbinden wir z.B. Blau mit Treue und Beständigkeit. Rot wiederum ruft bei uns die Assoziation zu Energie, Liebe und Stärke hervor und Gelb soll tendenziell für Fröhlichkeit und Intelligenz stehen.
Aber auch die grafische Anordnung ist wichtig, oft wird ein Bild auf die linke Seite gestellt, der Text auf die rechte. Der Grund dafür  ist, dass alles was auf der linken Seite steht, auch von der linken Gehirnhälfte aufgenommen wird, die für das Auswerten und Verarbeiten von Bildern zuständig ist. Die rechte dagegen hilft bei Textverständnis und –verarbeitung.

3. Klänge
Auch der „Sound“ von Werbung ist wichtig, dazu benutzen die Marketing-Leute gerne Melodien, die einen Ohrwurm-Effekt haben.  

4. Texte
Es ist bewiesen, dass wir Design-Objekte als attraktiv wahrnehmen, wenn sie keine scharfen Kanten haben. Deswegen werden in der Werbung Texte eher in runde Kästen gestellt, die liest der Zuschauer lieber als die mit Ecken.  

5. Haarfarbe des Models
Das hört sich jetzt etwas seltsam an, aber die Haare des Models tragen zu einem hohen Maß dazu bei, das Produkt gut zu verkaufen. So ist ein Model mit braunen Haaren eher dafür geeignet, Kosmetikprodukte, Schokolade oder Autos zu präsentieren. Ein blondes Model hingegen kann besser Waschmittel, Milchprodukte oder Zeitschriften präsentieren.  

6. Product Placement
Product Placement nennt man die gezielte Platzierung eines Produkts außerhalb der Werbung. Wir sagen dazu auch gerne „Schleichwerbung“. Sie wird gerne in Filme oder Serien verwendet. Denn wenn die Lieblingsschauspielerin das neueste Smartphone benutzt, will man das auch sofort haben.

Werbung Kampagne
7. Kampagnen
Als Kampagnen bezeichnet man Werbeaktionen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Auch werden sie eher für einen guten Zweck gestartet und auch oft vom Staat gefördert werden. Sie fordern z.B. Menschen auf,  anderen Menschen/Kindern in Not zu helfen oder sich vor AIDS zu schützen.

 

Tipps, wie ihr euch vor Beeinflussung durch Werbung im Fernsehen schützen könnt:
1. Man kann wegschalten, darf dann nur nicht vergessen wieder zum laufenden Programm zu schalten!
2. Den Fernseher stummschalten und während der Werbepause irgendwas Produktives machen, z.B. die Vokabeln für den nächsten Tag noch mal anschauen ;-)
3. Dennoch kann man die Werbung auch anschauen und zweimal überlegen, ob man das Produkt braucht und ob es das Geld wert ist.
4. Nur weil die Lieblingsschauspielerin das Handy hat, musst du es nicht auch nicht gleich haben! Sie wurde wahrscheinlich dafür bezahlt, das Handy in die Kamera zu halten.


 
Werbung manipuliert und wird mit kleinen Tricks perfekt gemacht. Jedoch habt ihr jetzt Tipps und Tricks kennen gelernt, damit ihr nicht mehr so leicht in die Falle tappt.
Ihr könnt ja in der nächsten Werbepause mal schauen, welche der genannten Marketing-Tricks ihr wiederentdeckt.  

von Lisa Morgenstern



 

„Ich will aber Schokoladeeee!“ – Die Tricks der Supermärkte

Der durchschnittliche Deutsche geht pro Jahr rund 233mal einkaufen. So verbringt man rund zwei Jahre seines Lebens in Supermärkten und Diskountern. Dort werden wir jedoch oft ausgetrickst und unsere Wünsche werden in bestimmte Richtungen gelenkt.

Erhöhte Preise und kein Grünzeug in der Tüte
Auf viele Tricks sind die Kunden mittlerweile vorbereitet. So ist wohl den meisten Einkaufenden klar, dass die Verpackung oft einen anderen Eindruck vermittelt, als die Zutatenliste. Manche Fertigprodukte werden zum Beispiel mit Bildern von frischem Gemüse beworben. Dies ist dann aber nur in geringen Mengen auf der Zutatenliste aufgeführt oder ist überhaupt nicht auffindbar.
Obwohl die Supermärkte mit diesem Trick immer weniger Menschen täuschen können, haben sie allerdings noch genug Kniffe auf Lager. Ein Klassiker ist zum Beispiel die versteckte Preiserhöhung. Das Prinzip dahinter ist sehr simpel: Der Preis bleibt gleich, jedoch ist eine geringere Menge in der Packung. Oft werden die Produkte auch noch mit Aufschriften wie „jetzt in neuer Verpackung“ oder „neues Design“ beworben. Ein ähnlicher Trick ist es, kleinere „Snackpackungen“ zu einem höheren Preis zu verkaufen.
Ein weiterer Trick ist der 100g-Trick. Hier werden Produkte, die mehr als 100g enthalten, mit einem Preis pro 100g ausgezeichnet. Das sieht für den Kunden dann auf den ersten Blick billiger aus.
Auch werden oft die teureren Markenprodukte auf Sicht- oder Greifhöhe in die Regale gestellt, während die günstigen Produkte meist ganz oben oder ganz unten stehen. Wer zu faul ist, sich zu bücken oder zu strecken, muss also zu den teuren Produkten greifen.

Hier duftet’s nach Schoko!
Außerdem wird im Supermarkt massiv versucht, unsere Sinne zu beeinflussen. So wird in den meisten Supermärkten die Temperatur auf exakt 19°C gehalten. Wenn es wärmer ist, so sind die Kunden zu träge, ist es jedoch kühler, frieren die Kunden und wollen das Geschäft so schnell wie möglich wieder verlassen. Auch die Musik im Hintergrund stammt aus eigens für Supermärkte zusammengestellten Playlists. Sie soll die Kunden beruhigen und so länger im Supermarkt verweilen lassen. Aber sogar unsere Nase wird ausgetrickst. Wenn es zu Beispiel in der Schokoladenabteilung nach Kakao riecht, liegt das sehr wahrscheinlich nicht an der Schokolade selbst, sondern an besonderen Duftstoffen, die die Märkte in der Luft verteilen. Und selbst unsere Augen werden getäuscht. Viele Produkte werden nämlich mit getöntem Licht bestrahlt. Das lässt Obst saftiger, Gemüse knackiger und Fleisch frischer und röter aussehen.

Die Supermarkt-Ralley
Doch auch hinter sehr alltäglichen Dingen wie dem Aufbau des Supermarktes steckt meist eine gut kalkulierte Taktik. Bestimmt ist euch schon einmal aufgefallen, dass die meisten Supermärkte ähnlich konstruiert sind. Das liegt daran, dass dieser Aufbau so gut funktioniert. Wenn man zum Eingang hineinkommt, erwartet einen zunächst das Obst- und Gemüseregal. Das soll dem Kunden den Eindruck von Frische vermitteln. Von dort führt ein Gang über die Fleischtheke. Dort muss man nun links abbiegen. Du könntest nun sagen, dass das nur reiner Zufall ist. Ich sage dir, dass es das nicht ist, denn die meisten Menschen sind Rechtshänder, und die biegen laut wissenschaftlicher Studien lieber links ab und kaufen dann mehr! Nun geht es weiter zum Kühlregal. Das liegt meist auf der anderen Seite des Supermarktes als der Eingang, sodass man einmal durch den gesamten Markt laufen muss und an vielen anderen verlockenden Angeboten vorbeikommt, um zu den Molkereiprodukten zu gelangen. Ein weiterer Gang führt zurück zu den Kassen, und hier kommt der wohl bekannteste Trick: Die „Quengelware“, also Dinge wie Süßigkeiten und Schokolade, die Kinder unbedingt haben wollen. Diese benötigt durchschnittlich nur 1,5% der Gesamtfläche, macht aber bis zu 5% des Umsatzes aus. Sobald man an der Kasse durch ist, ist der ganze Spaß vorbei, die Fläche zum Einladen der Produkte ist klein und der Supermarkt will einen so schnell wie möglich wieder aus dem Gebäude bekommen.

Supermarkt

Fazit: Im Supermarkt sollte man immer wachsam sein und bei kleineren Einkäufen überlegen, ob man wirklich einen Einkaufswagen braucht, da man mit einem Einkaufswagen schnell den Überblick verliert, was man schon alles gekauft hat. Außerdem sollte man sich schon vorher genau überlegen, was man wirklich benötigt, nur das kaufen und sich nicht von den Tricks der Händler beeindrucken lassen, denn so spart man nicht nur Zeit, sondern auch Geld!     

von Jan Philipp Rave

 


 

Fehler im Kopf – Psychische Störungen als Tabuthema

JokerWeißer Kittel, fettige Haare, vernarbtes Gesicht, verwischtes Makeup und ein diabolisches Lachen – so gewinnt man einen Oscar! Die Rede ist vom bereits verstorbenen Schauspieler  Heath Ledger in seiner Rolle als psychisch gestörtem Massenmörder Joker im Film „The Dark Knight“. So zog er 2010 Millionen begeisterter Besucher ins Kino und sorgte für ein Einspielergebnis von über einer Milliarde Dollar! „Psycho“ fasziniert uns anscheinend.

Aber im wirklichen Leben kann fehlende psychische Gesundheit ein durchaus heikles Thema sein. Wir reden nicht gern über diese fast schon unangenehme Angelegenheit, und selbst wenn wir es dann mal tun, reden wir sehr schlecht darüber. Und das meint sowohl unprofessionell als auch herabwürdigend. Denn „Geisteskrankheit“ wird in unserer Gesellschaft immer noch stark stigmatisiert und diskriminiert. Menschen mit Depression oder anderen seelischen Erkrankungen wird kaum Beachtung geschenkt. Man tut sie als „Psychos“, „Verrückte“, „Schwachsinnige“ und „Irre“ ab. Und nicht nur wir liegen oft falsch mit unserer Ausdrucksweise, selbst anerkannte Psychologen mit einem Doktortitel im Namen stellen in Scripted Reality-Formaten wie „Hilf mir doch“ bei RTL fehlerhafte und vereinfachende Diagnosen.

Ein extremeres Beispiel hierfür ist  die amerikanische TV-Serie „Dr. Oz – Am I normal or nuts?“ („Dr. Oz – Bin ich normal oder verrückt?“). Lasst mal folgenden Dialog auf euch wirken und bewertet dann dessen Professionalität: „Bist du wirklich komplett verrückt geworden? (…) Denn weißt du, komplett verrückte Menschen gehen nach draußen,  lutschen an Steinen und bellen den Mond an.“ Ja, ganz genau. Was hat das bitte mit dem Thema zu tun? Genannte „Symptome“ sind keinesfalls Anzeichen für eine psychische Störung, sondern zeigen höchstens, dass man ein Wolf mit Eisenmangel ist. Der Psychodoc hat die Patientin also mit einem anämischen Wolf verwechselt.

Amokläufer werden als „Irre“ abgestempelt

Einer der eindeutigsten Beweise dafür, wie wenig wir uns ernsthaft mit geistiger Gesundheit auseinandersetzen wollen, ist wahrscheinlich die Tatsache, dass wir darüber meist nur in den Nachrichten reden, wenn es um Straftaten geht, deren Täter immer zuerst als psychisch krank stigmatisiert werden. Gerade im letzten Jahr gab es eine Menge derartiger Schuldzuweisungen:  Am 18. Juli das Axt-Attentat in einem Regionalzug bei Würzburg. Die erste Reaktion zum Täter war in den meisten Medien „Psychisch krank!“, bis sich herausstellte, dass der Täter ein IS- Fanatiker war (was man in nicht-medizinischer Bedeutung von „psychisch krank“ jedoch durchaus als Synonym verwenden könnte). Am 22. Juli die Bluttat in einem Münchener Einkaufszentrum, der Amoklauf in Reutlingen und der Terroranschlag in Ansbach, beides am 24. Juli – alle Täter waren - laut der Berichterstattung - „psychisch labil“ oder „psychisch krank“. Auch in den USA ist „psychisch krank“ ein willkommener Begriff, wenn es um die Ursachenfindung bei Amokläufen geht, und um von der Diskussion über strengere Waffengesetze, welche die Amerikaner dringend nötig hätten, abzulenken. Beispielsweise gestand Mike Huckabee, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Republikaner, der in einem Statement zu einer Schulschießerei zuerst die Medien beschuldigt hatte und deren Handlungsspielraum gesetzlich einschränken wollte, dann schließlich ein, dass es gar nicht passiert wäre, würde man sich in der Gesellschaft intensiver mit mentaler Gesundheit beschäftigen. Es scheint also, als gäbe es nichts, was das politische Interesse an geistiger Gesundheit so stark weckt wie Massenschießereien. Und übrigens: Gouverneur Huckabees Bundesstaat Arkansas bekam während seiner Amtszeit eine 4- in Sachen psychisches Gesundheitswesen. Man kann Leute aber nicht belehren, wenn man, wie Huckabee, über ein Thema nur mangelhaft Bescheid weiß. Das ist so, als würde man einen Vortrag über deutsche Grammatik  mit den Worten „Nachdenken wir darüber besser müssen, wie wir machen Wörter Zeug.“ einleiten.

Also kann man wohl getrost sagen, dass Nachrichten über Gewaltverbrechen der schlechteste Zeitpunkt sind, um über psychische Gesundheit zu sprechen. Denn Studien haben bewiesen: „Die große Mehrheit psychisch Kranker ist nicht gewalttätig“ und „Die große Mehrheit der Waffengewalt wird nicht von psychisch Kranken begangen“! Außerdem ist bewiesen, dass psychisch Kranke weit häufiger in Gefahr sind, Opfer von Gewalttaten zu werden, als dass sie welche begehen.

So sieht es also in der Realität aus. Und genau deshalb ist es auch irreführend und unverantwortlich für einen Staat, psychische Störungen nur im Zusammenhang mit Gewalttaten anzusprechen. Das gilt übrigens auch für uns, nicht nur für den Staat. Das wäre ja, als ob Deutschland nur im Zusammenhang mit Hitler und dem 1. und 2. Weltkrieg genannt würde. Das wäre so, als würden wir nur von Flüchtlingen reden, wenn es eine Straftat gibt, die angeblich von einem Flüchtling begangen wurde. Auf Dauer würden im Unterbewusstsein einiger Menschen, zu Unrecht, nur negative Gefühle hängenbleiben und sie würden die eine Sache immer mit der anderen assoziieren. Genau das passiert eben mit dem Thema, um das sich in diesem Artikel alles dreht. Und zwar schon seit einiger Zeit. Um genau zu sein: schon immer.

Bis in die 1960er Jahre wurden die „Wahnsinnigen“ nur weggesperrt

Wenn man in die „Geschichte des Wahnsinns“ zurückblickt, dann sieht man Szenen von Folter, überfüllte psychiatrische Einrichtungen (oder wie der Volksmund zu sagen pflegt(e): „Klapsmühlen“ und „Irrenhäusern“) und von unorthodox bis bestialisch reichende Methoden, Patienten zu „heilen“. Psychisch Kranke waren schon immer die Außenseiter, ja, sogar der Abschaum der Gesellschaft. Der Umgang mit den Patienten unterschied sich in der NS-Zeit kaum von dem im Mittelalter: Keine medizinische Versorgung, Zwangseinweisung, Willkür und grausame Folter. Auch in den USA wurden Patienten in Anstalten gesperrt, die oft so schlimm waren, dass man sie auch „snake pits“, „Schlangengruben“, nannte.

Dann endlich, 1960, unterschrieb Präsident John F. Kennedy einen Vertrag, in welchem er versprach, diese Anstalten zu schließen, und die Zahl der Patienten in diesen um 50% oder mehr zu verringern. Doch diese Menschen mussten irgendwo hin, sodass einige Patienten mittleren und jungen Alters in Altersheimen untergebracht wurden. Doch es ist nun wirklich keine gute Idee, eine junge Person einfach so zu einer alten zu stecken und aufs Beste zu hoffen. Es wäre auf gleiche Weise falsch, Justin Bieber auf einem Rock-Festival spielen zu lassen: unzumutbar für alle Beteiligten.

Auch heute noch spürt man die Auswirkungen dieser Strategie in den USA.  So gibt es eine Methode, mit Menschen, die psychiatrische Hilfe benötigen, umzugehen, ironisch bezeichnet als „Windhund-Therapie“  -  und nein, es hat leider nichts damit zu tun, einen Hund zu umarmen, der, mal ganz nebenbei bemerkt, zu 90% aus Haut und Knochen besteht. Es ist eine andere Art von Windhund gemeint, nämlich die mit vier Rädern und einer kaputten Toilette. Die Rede ist von einem amerikanischen Busunternehmen namens „Greyhound“, dessen Busse im US-Bundesstaat Nevada benutzt werden, um als eine Art psychiatrische Klinik auf Rädern zu fungieren. Die „Therapie“ besteht dabei darin, psychisch Erkrankten ein One-way-Ticket auszuhändigen, sie also in die Busse zu setzen und aus der Stadt bzw. dem Bundesstaat zu transportieren. Es tut mir wirklich leid, aber man kann Menschen, die man in der eigenen Stadt nicht haben will, nicht einfach in eine andere Ortschaft abschieben, um sich des Problems zu entledigen. Wenn man das könnte, dann wäre das der Ablauf jeder Trennung eines ehemaligen Liebespaares: „Sorry, Ursula, es liegt nicht an dir, sondern an mir. Aber auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass dir dein neues Leben in Kanada sicher gefallen wird. Tschüs!“

Und es geht noch schlimmer: Sowohl in Amerika als auch in Deutschland enden einige psychisch Kranke sogar im Gefängnis, natürlich ohne straffällig geworden zu sein, nur weil man keine andere Unterkunft für sie findet. Für Amerika bedeutet das dann, dass zehnmal mehr hilfsbedürftige psychisch Erkrankte in Gefängnissen sind als in professioneller psychiatrischer Behandlung! Und das ist einfach unzumutbar.
Im Vergleich zu folterähnlichen Methoden in damaligen Anstalten kann man durchaus sagen, dass sich einiges zum Positiven verändert hat, aber eindeutig nicht genug. Denn laut dem Fachmagazin „European Neuropsychopharmacology“ sind ca. 164 Millionen Europäer psychisch krank. Das sind rund 38% der Bevölkerung. Durchschnittlich leiden ca. 21 Millionen der 19- bis 79- jährigen Deutschen unter einer psychischen Erkrankung. Das ist die ungefähre Einwohnerzahl von Griechenland mal zwei. Und die meisten von uns wissen mehr über Griechenland als über unser Gesundheitssystem in Hinblick auf psychische Gesundheit. Denkt mal darüber nach, dann fallen einem mindestens drei Dinge über Griechenland ein: Die Wirtschaft ist kollabiert, Aristoteles und seine ganzen Kumpels waren Griechen und momentan ist es echt günstig, dort Urlaub zu machen. Aber Spaß beiseite, denn alles in allem sind es durchaus alarmierende Fakten, wenn man bedenkt, dass lediglich ein sehr kleiner Teil der Erkrankten von professioneller Hilfe Gebrauch macht bzw. machen kann.

Enttabuisierung des Tabus – Redet darüber!

Jedoch scheint Besserung in Sicht: In den USA gibt es mittlerweile Polizei-Abteilungen, die „crisis intervention training“ anbieten. Dort werden Polizisten in Sachen Umgang mit psychisch Kranken in Notfallsituationen weitergebildet – beworben wird es als „bahnbrechendes Programm“. Das scheint schon mal ziemlich gut, aber es „bahnbrechend“ zu nennen, ist ein wenig übertrieben, denn bahnbrechende Ideen sollten keine komplett logischen und offensichtlichen Dinge sein, die wir die ganze Zeit schon hätten tun sollen. Sie sollten ausgefallen sein und die Grenzen des scheinbar Unmöglichen überschreiten! Das ist jedoch nur ein geringer Teil von dem, was sich ändern muss. Das komplette System, von Stigmatisierung und Sprache bis hin zu Polizeiarbeit und Politik, muss verbessert werden, was sicherlich nicht einfach ist. Aber wenn ich mich recht erinnere, gibt es ja einige Politiker, die behaupten, sich dafür zu interessieren, wie Mike Huckabee oder auch einige deutsche Politiker. Dann macht aber auch was dagegen, wenn ihr psychisch Kranke so oft für Gewalttaten beschuldigt, dann ist das mindeste was ihr ihnen schuldet ein Plan! Denn es geht um Menschenleben.

Von Sophia Fois


 

Glück – Was ist das?

Glück – ein Wort mit einem breiten Bedeutungsspektrum, aber unmöglich, es genau zu definieren. Im Internet gibt es viele Zitate von berühmten Schriftstellern und Philosophen, die versuchen zu  beschreiben, wie Glück „funktioniert“ oder was Glück ist. Doch nicht der weiseste Satz könnte dessen große Bedeutung in der Gesellschaft, die wissenschaftlichen Hintergründe und die Frage, wie man Glück findet, widerspiegeln.

GlckWenn man in der Internet-Suchmaschine Yahoo den Suchbegriff „Glück“ eingibt, erscheint als erster Treffer die Internetseite der bekannten und riesigen Reiseagentur „Holidaycheck“, was dich im ersten Moment wahrscheinlich ziemlich verwundern wird – genauso wie mich anfangs – oder weshalb du vielleicht lachen und dich fragen wirst, wo hier die Gemeinsamkeiten liegen. Der zweite Treffer ist eine Autovermietungsfirma, für Autoliebhaber bestimmt nachvollziehbar, für mich leider nicht. Diese Suchanfrage zeigt letztendlich, dass jeder eine andere Vorstellung von Glück hat. So gibt es im Netz beispielsweise eine Weltkarte des Glücks, die zeigt, dass Japaner notorisch unzufrieden sind, Mittelamerikaner eher fröhlich, dass US-Bürger leichter mit einem Risiko leben als die Europäer. Die weltweit glücklichsten Menschen der Welt wohnen laut dem Glücksatlas 2016 in Dänemark, Deutschland liegt auf dem 16. Platz.

Schon seit der Antike galt das Glück als Wegweiser zur Lebenskunst, die ihrerseits als Grundlage zu einem glücklichen Dasein gesehen wurde. Als glücklich wurde der bezeichnet, der einen guten Daimon, also ein Gewissen, hatte, das ihn zu tugendhafter Lebensführung anleitete. Auch heute steht das Glück immer noch im Zentrum der großen Fragen der Menschheit. So beschäftigt sich die moderne Psychologie mit vielen Faktoren und Methoden, die die Seele stark machen können.

Wissenschaftlich gesehen ist für unser Glücksempfinden vor allem das komplexe Zusammenspiel von bestimmten Substanzen zuständig, die man Botenstoffe nennt und durch deren Ausschüttung auch jede andere Gefühlslage bestimmt wird. Zu den sechs wichtigsten zählen die Transmitterstoffe Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und die Hormone Oxytocin, Endorphin und Kortisol, die allesamt im Gehirn gebildet werden. Anders als Hormone, die durch unser Blut übertragen werden, werden Transmitter zur Reizübertragung an chemischen Kontaktstellen zwischen zwei Nervenzellen, kurzum den Synapsen, freigesetzt. Wenn also in der Nervenzelle ein elektrisches Signal übertragen wird und dieses an die Synapse gelangt, wird der elektrische in einen chemischen Reiz umgewandelt, indem die Zelle einen Botenstoff in den sogenannten synaptischen Spalt ausschüttet und der Botenstoff an den Endknöpfchen der nächsten Nervenzelle wieder aufgenommen, verarbeitet und als elektrischer Impuls weitergeleitet wird. Dabei hängt deine Stimmung von der Anzahl der ausgeschütteten Substanzen ab, wobei aber auch deine DNA darüber entscheidet, wie intensiv du Gefühle und Glück erlebst. Der Botenstoff Serotonin spielt zum Beispiel für Menschen mit Depressionen eine große Rolle, denn er soll sie „glücklicher“ machen, indem er deren Emotionen positiv beeinflusst. Hierbei stellt sich aber auch für viele Forscher die bisher ungeklärte Frage, ob man durch das Steuern der eigenen Botenstoffe gezielt seine Stimmung aufhellen kann. Dieses Thema wurde schließlich auch in zahlreichen Ratgebern mit Tipps, wie man angeblich seine „Happy Chemicals“ erhöhen kann, aufgenommen.

Ist Glück also doch nur ein chemischer Cocktail? Gibt es zum Glücklichsein ein für alle wirksames Rezept mit wohldosierten Stimmungsmachern? Zu wenig Dopamin? Du fühlst dich unmotiviert, unkonzentriert und lustlos? Dann empfehlen uns die Wissenschaftler, eine Runde Joggen, Singen im Chor oder einfach Lachen – das aktiviert unsere  Endorphine, wir fühlen uns gleich viel besser! Wir wollen eine bevorstehende Prüfung meistern? Bei Herausforderungen, Stress oder Gefahr steigert  dieser Stoff auch deine Motivation, Geistesgegenwart und Aufmerksamkeit  – damit man der Situation gezielt ins Auge sehen kann.  Zuviel davon kann uns jedoch auch blockieren. Nicht zu vergessen das sogenannte Kuschelhormon „Oxytocin“ – es sorgt für das zwischenmenschliche Vertrauen, den Gruppenzusammenhalt und für „Frühlingsgefühle“.

Es scheint so einfach, aber das Zusammenwirken dieser Botschafter von Freud und Leid ist komplex und wirkt bei jedem Menschen individuell. Sicher ist jedoch, dass Glück süchtig macht und jeder seines eigenen Glückes Schmied ist.

von Louisa Wenzel

 


 

Sekten und ihre Psychotricks

Die meisten älteren Schüler unter euch werden dieses Thema bestimmt schon einmal in Religion oder Ethik besprochen haben. Für die jüngeren unter euch werde ich aber zunächst einmal den Begriff Sekte definieren. Eine Sekte ist eine nicht anerkannte Glaubensgemeinschaft, die häufig auf Geld aus ist. Viele Sekten praktizieren deshalb Gehirnwäsche und andere Psychotricks, um Anhänger anzulocken. Wenn man einmal in einer Sekte ist, ist es sehr schwer, ja häufig unmöglich, wieder auszutreten.
Eine sehr große und bekannte Sekte heißt Scientology. Speziell Scientology wendet laut dem bayerischen Verfassungsschutz, dessen Hauptaufgabe die Überwachung von Bestrebungen gegen die demokratischen Grundwerte ist, mit einer Gehirnwäsche vergleichbare Methoden an. Wenn man sich einer solchen unterzieht, entwickelt man eine Art Sucht danach, was einen dazu bringt, für die angebotenen Kurse bis zu 100 000 $ auszugeben.  
Viele Sekten werben neue Mitglieder an, indem sie sich erst mitfühlend und verständnisvoll zeigen, aber gleichzeitig auch versuchen, Schwächen und Probleme der Menschen herauszufinden, die sich an sie wenden, um ihnen dann zu erklären, dass man diese mithilfe ihrer Glaubensvorstellung lösen könne, aber nur wenn sie der Sekte beiträten.

Sekten ScientologyHäufig werden dabei Techniken wie das sogenannte „Auditing“ angewendet. Dazu wird das Opfer erst mit immer wiederkehrenden Fragen oder intensivem Hineinbohren in dessen Erinnerungs- und Gefühlswelt geschwächt. Ist es dann erschöpft, wird es durch Lob wieder aufgebaut. Dieses Prinzip von Bestrafung und Belohnung macht das Opfer langsam gefügig und abhängig von der Sekte.
Wichtig zu wissen ist also, dass Sekten absolut gefährlich sind, weil sie meist auf das Geld der Opfer aus sind, und diese sich aus deren Fängen kaum mehr befreien können.

Wenn du mehr zu diesem Thema lesen willst:: http://www.bunte.de/psyche/michelle-hunziker-sekte-lockte-mit-psychotricks-59873.html

von Ronja Wendrich

 


 

Du selbst zu sein ist schwer – Die Macht sozialer Zwänge

Schon in der Schule hört man von den Jugendlichen in bestimmten Situationen die Aussage: „Tja, Gruppenzwang, kannste nichts machen!" Aber was ist das genau, in welchen Situationen tritt er auf und welche Auswirkungen hat dieser Zwang auf dich persönlich? Um diese Fragen soll es in diesem Artikel gehen.
Der Gruppenzwang wird auch Gruppen- oder Konformitätsdruck genannt und damit ist der Auslöser gemeint, weshalb jemand seine Einstellung oder sein Verhalten gegenüber bzw. innerhalb einer bestimmten Gruppe verändert. Hier ein einfaches Beispiel für eine solche Verhaltensänderung: Warum schreie ich plötzlich während eines Fußballspiels im Stadion laut „Tooooooor!“, obwohl ich mich eigentlich kaum für diesen Sport interessiere und Fußball solche Emotionen bei mir normalerweise gar nicht freisetzt? Und ein Beispiel für eine Veränderung der Einstellung: Warum rede ich mit meinen Freundinnen und Freunden über eine bestimmte Person schlecht, obwohl ich diese kaum kenne und eigentlich noch gar keine richtige, eigene Meinung habe?

Soziale ZwaengeDie Ursache für den Gruppenzwang lässt sich auf verschiedenen Ebenen erklären. Zum einen trägt jeder Mensch das Bedürfnis in sich, von anderen Menschen akzeptiert zu werden, denn allein überlebt man auf dieser Welt nicht einmal die erste Lebenswoche. Dies bedeutet, dass wir eine Antipathie der Gruppe gegenüber der eigenen Person befürchten müssen, wenn wir anders sind als die anderen. Je mehr Leute dich auf einmal beschimpfen oder schikanieren, desto unwohler und unsicherer fühlen wir uns. Die Folge: Wir passen unser Verhalten und unsere Einstellung oft schon vorsorglich der Gruppe an, weil wir sympathisch wirken und akzeptiert sein wollen. Fachleute sprechen hier von einem normativen Einfluss der Gruppe auf das Individuum.
Hinzu kommt die Tatsache, dass nicht jeder alles weiß und Nicht-Wissen gefährlich sein kann. Wenn ich nun auf eine Gruppe stoße, die ganz konkrete Vorstellungen und Meinungen zu einem bestimmten Sachverhalt zu haben scheint, dann ist es ja eine mögliche Lösung, mich dieser Gruppen-Meinung anzuschließen, um mein eigenes Informationsdefizit zu beseitigen. Hier sprechen Fachleute von einem informativen Einfluss der Gruppe auf das Individuum.
Der dritte sehr wichtige Einflussfaktor ist das eigene Selbstwertgefühl: Je mehr positive Impulse ich von außen benötige, um mir meines eigenen Wertes bewusst zu werden, umso mehr achte ich natürlich darauf, was ich veranstalten muss, um von den mich umgebenden Gruppen akzeptiert oder gar geliebt zu werden.
Jede Erzieherin und Grundschullehrerin (meistens sind es Frauen) kann wahrscheinlich tolle Geschichten darüber erzählen, wie sich der Konformitätsdruck schon bei Kleinkindern auswirkt. Natürlich haben zahlreiche Wissenschaftler dieses Phänomen seit Jahren unter die Lupe genommen und viele Experimente durchgeführt, um Ursachen und Auswirkungen des Gruppenzwangs zu erforschen.

von Aimée Englmeier

 


 

„Es ist eines der schönsten Gefühle, die es gibt.“ –

Interview mit Herrn Steib zu den Themen Stress und Verliebtsein

- durchgeführt von Tamina Obermeier

Tamina: Nachdem Sie ja auch Schulpsychologe sind, würde es mich interessieren, ob die Geschichten, die Ihnen von Schülern erzählt werden, Sie sehr mitnehmen, und wenn ja, wieso.

Herr Steib: Naja, ich würde sagen, teils, teils. Als ich angefangen habe, als Schulpsychologe zu arbeiten, haben einen die Geschichten noch viel stärker belastet, weil man das so noch nicht kennt und es für einen neu ist. Mittlerweile nimmt es mich jedoch bei weitem nicht mehr so stark mit, aber es gibt doch immer viele Schicksale, die mich zum nachdenken bringen oder auch belasten. Das ist dann nicht immer ganz leicht zu verarbeiten.

Wie verarbeiten Sie denn Geschichten, die Ihnen erzählt werden?

Verarbeiten, naja. Ich mache einen sehr großen Teil mit mir selbst aus, da ich auch nicht mit so vielen Leuten darüber sprechen darf - ich habe ja Schweigepflicht. Wenn mir etwas sehr, sehr nahegeht, rede ich auch oft mit meiner Freundin darüber, weil ich es einfach loswerden will, meistens einfach ohne Namen. Wir haben aber auch so etwas wie Supervisionsgruppen, das heißt es treffen sich Schulpsychologen, meistens fünf bis acht, alle zwei Monate einmal und wir sprechen miteinander über schwierige Fälle, die wir hatten. Wir rückversichern uns dann darüber, ob das, was wir gerade so machen, gut oder richtig ist, und ob das andere genauso gemacht hätten. Das ist auch ganz praktisch, um ein bisschen was loszuwerden.

Ganz andres Thema: Wie gehen Sie persönlich denn mit Stress um?

Ich habe natürlich meine Entspannungstechniken. Es gibt natürlich Phasen, in denen man echt viel Stress hat, meistens, wenn Schulaufgaben anstehen und man auch so viel zu tun hat, aber ich habe eine ganz gute funktionierende Beziehung, ich habe eine tolle Familie und ich habe viele Freunde, mit denen ich viel reden kann und die mich sehr gut ablenken können. Ab und zu mache ich auch Sport, zwar nicht mehr so oft, wie früher, aber ein- bis zweimal pro Woche schaffe ich es. Das sind so meine grundlegenden Stressabbautechniken.

Haben Sie denn irgendwelche Tipps für die Schüler, wie sie mit Stress vor Schulaufgaben besser umgehen können?

Der einfachste Tipp ist einfach zu lernen und auch frühzeitig zu lernen, damit es nicht zu viel auf einmal wird und sich am besten für jede Schulaufgabe einen Plan zu schreiben, was man überhaupt alles lernen muss, um auszuschließen, dass man irgendwas vergessen hat. Vielleicht ein weiterer auch ganz wichtiger Tipp ist, dass man unmittelbar vor der Schulaufgabe Gespräche mit Klassenkameraden vermeidet, da diese einen eher wahnsinnig machen und einem das Gefühl geben, man hätte nicht alles gelernt. Danach denkt man eher „Mist, ich kann jetzt gerade gar nichts“ und fühlt sich unsicherer als zuvor.

Meine letzte Frage ist: Wie würden Sie das Gefühl verliebt zu sein in eigenen Worten beschreiben?

Puh, schwere Frage... Sich zu jemandem hingezogen fühlen, obwohl man gar nicht genau weiß, warum. Sich auf jemanden und nur auf diesen Jemand zu freuen, wenn man ihn wiedersieht. Sich am Anfang noch mehr zu freuen, auch wenn man sich noch gar nicht so gut kennt, einfach nur, dass jemand, an dem man vielleicht gerade vorbeigeht einen anlächelt, oder dass derjenige einen zum Grinsen bringt, obwohl man gar nicht so genau weiß, warum eigentlich. Und ich würde sagen, es ist eines der schönsten Gefühle, die es gibt und teilweise auch eines der kompliziertesten Gefühle, weil man gerade in eurem Alter auch sehr oft unsicher ist, ob der andere auch verliebt ist und man vielleicht auch ganz viel hineininterpretiert. Zum Beispiel, wenn derjenige nicht zurückschreibt, obwohl er die Nachricht offensichtlich schon gelesen hat. Es ist immer sehr, sehr kompliziert. Also ist es insgesamt sehr, sehr schön und gleichzeitig echt kompliziert.

Vielen Dank für das Interview, Herr Steib!

von Tamina Obermeier

 


 

Platon plaudert - Reuchlins weiser Mann hat gesprochen

Interview mit Herrn Stadler: In dieser Folge „Glück“

Débora: Hatten Sie schon mal so richtig Glück?

Herr Stadler: Ja hatte ich. Ja also ich hatte noch nie einen Unfall.

Bitte beschreiben Sie mir „Glück“. Was ist ihrer Meinung nach Glück?

Man hat kein Pech. (lächelt) Es kommt unerwartet und ist unvorhersehbar.

Haben Sie immer Glück?

Nein. Der Alltag ist oft grau und wenn das Glück alltäglich wäre, wäre es kein Glück mehr. Glück ist selten.

Wie stehen Sie zum Paradox des Solon?
[Anmerkung der Verfasserin: Paradox des Solon: Nach dem Tod ist es nicht mehr möglich, zu irgendeinem Zeitpunkt des Lebens von sich (oder einer anderen Person) zu behaupten, sie sei glücklich.]

Leider stimmt das. Das Unglück kommt jedoch vor dem Tod, man hofft aber nicht, dass es passiert.

Nun folgen drei bekannte Zitate zum Thema Glück. Bitte äußern Sie sich zu diesen.
Jeder ist seines Glückes Schmied.

Ja und Nein. Es stimmt nur teilweise, denn man kann nicht immer sein Glück selbst schmieden.

Der Tod hat keine Macht über das Glück.

Der Tod sehr wohl Macht, denn wenn man einen geliebten Menschen verliert bzw. verloren hat, ist man „nicht mehr glücklich".

Der Mensch ist des Glückes Spielball.

Nein eigentlich nicht. Früher in der Antike war der Mensch der Spielball der Götter, jedoch nicht des Glückes. Es gibt nämlich so viele unerklärliche Dinge, für die der menschliche Verstand einfach nicht ausreicht.


von Débora Ziel