Zucker ist nicht vegan?! – Ein Selbstversuch

Eigentlich sollte der Artikel hier ganz anders aussehen. Geplant war ein Selbstversuch. Eine Woche vegan leben, d.h. auf alle Lebensmittel tierischen Ursprungs verzichten. Die Idee war mir spontan gekommen, als ich im Internet auf ein veganes Food-Diary, eine Art Tagebuch über das Essen einer Veganerin, gestoßen war. Da das ganze Essen dort sehr lecker aussah, und der vegane Trend gerade sowieso die Runde macht, dachte ich, ich könnte es doch auch mal versuchen. Ich muss sagen, ich freute mich sehr auf das Experiment, da ich sehr viel Wert auf Ernährung lege und auch gerne andere Ernährungsarten ausprobiere.
Der erste Morgen fing schon mal wie gewohnt mit einem Erdbeermarmeladentoast und einer Tasse schwarzem Tee an. Soweit, so super. Auch fand ich schnell einen Ersatz für den Snack in der Schule. Das Mittagessen, eine große Portion Basmati Reis mit einer veganen Soße, fand ich lecker. Beim Lernen aß ich dann anstatt etwas Süßem pures Obst und davon deutlich zu viel. Das sollte mir später zum Verhängnis werden. Nach meinem veganen Abendessen, gab es noch einmal Obst als Nachtisch.
Bis jetzt gefiel mir das vegane Leben, ich sah darin nicht den Verzicht, sondern den Zugang zu neuen Gerichten und eine vielleicht neue Sichtweise auf die Ernährung. Am Anfang hat es Spaß gemacht, vegan zu sein. Doch womit ich mir vielleicht selber Steine in den Weg gelegt habe, war, dass ich auf Ersatzprodukte verzichten wollte, wie z.B. Eiersatz, Zuckerersatz (Man mag es kaum glauben, aber Veganer essen keinen Zucker, da dieser angeblich mit Tierkohle gebleicht wird. Diese Methode ist in Deutschland allerdings verboten). Auch auf vegane Burger, veganes Chili con carne (so etwas gibt es und „Chili con carne“ heißt übrigens „Chili mit Fleisch“) oder veganen Aufschnitt wollte ich verzichten. Nur Sojamilch legte ich mir zu. Sie schmeckte zwar ein bisschen wie Milch mit Wasser gemischt, aber dennoch ganz erträglich.
Ich denke, wenn man sich auch auf solche Ersatzprodukte stützt, ist eine vegane Ernährung durchaus möglich. Zwar sind diese Produkte so gut wie alle auf Sojabasis, aber es gibt auch sojafreie Alternativen für die vegane Ernährung, wie Reis-, Mandel oder Haferdrinks.
Nach ein paar Tagen bekam ich zunehmend Übelkeit und Magenschmerzen. Schnell war mir bewusst, wieso. Es war wohl nicht sonderlich klug von mir gewesen, ganz plötzlich auf eine auf v.a. Gemüse und Obst basierende Ernährung umzuschalten und das mit meiner Fruktoseintoleranz. Das bedeutet, dass ich keinen Fruchtzucker, der z.B. in Obst oder Gemüse enthalten ist, vertrage.
Schon nach einigen Tagen musste ich wieder auf normale Ernährung zurückgreifen. Schade eigentlich. Denn es hatte mir wirklich Spaß gemacht und ich hatte viel über neue alltägliche Lebensmittel gelernt. Was mir beispielsweise neu war, ist, dass in den „Neapolitaner Waffeln“ mit Haselnusscremefülllung keine Milch enthalten ist, man in den meisten Kaugummis aber tierische Inhaltsstoffe findet!
Aber es gab noch etwas, was mir in diesen Tagen besonders aufgefallen ist: Die Menschen, die unterschiedlichen Ernährungsarten angehören, stehen anderen Formen der Ernährung sehr kritisch gegenüber. Nur weil mein ein Veganer ist, ernährt man sich nicht nur ausschließlich von Soja. Aber genauso ist man kein Mörder, wenn man Fleisch und tierische Erzeugnisse isst.
Meiner Meinung nach kommt es immer auf die Qualität der Lebensmittel an. So ist es absolut nicht schlimm, wenn man einmal in der Woche Fleisch von guter Qualität ist. Tiere, die ein gutes Leben hatten, nicht mit Antibiotika abgefüllt und nicht gemästet wurden, darf man meiner Meinung nach mit gutem Gewissen essen. Genauso ist es mit Eiern und Milch. Gegen Kuhmilch spricht theoretisch nichts, wenn man auch diese von guter Qualität wie z.B. „Demetermilch“ („Demeter“ist das strengste Biolabel) kauft.
Generell gilt aber immer noch die alte Faustregel „Leben und leben lassen“. Für jede Art der Ernährung gibt es Pro- und Contra-Argumente, und es ist auch gar nicht schlecht, neue Dinge auszuprobieren. Im Gegenteil seinen kulinarischen Horizont auszuprobieren ist super, jedoch sollte man, anders als ich, dabei seine Gesundheit nicht komplett ignorieren.

von Margherita Ragucci

 

Superfood statt Superman - Was es mit dem Boom von Chiasamen, Gojibeeren und Matcha auf sich hat

GojibeerenbildZum ersten Mal las ich von den ominösen Gojibeeren vor gut einem Jahr. Auf einer Kaugummiverpackung. „Gojibeerenaroma“ stand darauf. Für mich schmeckten die Kaugummis nicht sonderlich anders als nach gewöhnlichen Waldbeeren. Nun, knapp 365 Tage später, sind Gojibeeren nicht mehr wegzudenken. So werden die kleinen roten, aus China importierten Früchte nun auch hier in der Drogerie, im Supermarkt oder auch im Internet angeboten. Die Goji-Beeren versprechen, extrem gesund zu sein und viele wichtige Vitamine zu enthalten. Kleine Vitaminbomben also. Hoch gepriesen werden die roten Wunderfrüchte unter Food-Bloggern, die sich ihre Smoothies oder Smoothie-Bowls, eine Art Müsli-Smoothie-Gemisch zum Löffeln, nicht mehr ohne die kleinen roten Beeren vorstellen können. Reich an Vitamin B, C, und E, Antioxidantien und Aminosäuren – damit werben Supermärkte und Hersteller.
Was die meisten aber nicht wissen, ist, dass das sogenannte „Superfood“ gar nicht so gesund ist, wie es zu sein scheint. Bei einer Studie von Öko-Test fiel Superfood aller Art durch. Gesund seien die Früchte zwar, jedoch kann es passieren, dass sie von Pestiziden befallen und z.B. von Mineralölen belastet seien. So ist es auch mit den Chiasamen. Bei Chiasamen handelt es sich um aus Mexiko importierte, winzige schwarze Samen, die vielseitig verwendbar sind: im Pudding, Chiasamenbildals Topping auf Eis oder Jogurt, in Brot und Müslis. Überall wird die Wunderzutat hinzugefügt, da auch sie ähnlich wie die Gojibeeren als Wundermittel gilt. Da die Samen aufquellen, rufen sie ein Sättigungsgefühl hervor. Zudem sind sie reich an Eiweiß (16g/100g) und enthalten fünfmal so viel Calcium wie Milch. Das ist für die geringe Größe der Samen wirklich enorm. Doch genau so enorm ist der Preis. Die Samen, die man wie die roten Wunderbeeren mittlerweile in jedem Supermarkt kaufen kann, können schon mal einen stolzen Preis von 40 € pro Kilo haben. Doch für den, der nicht bereit ist, diese hohe Summe zu zahlen, gibt es heimische und deutlich günstigere Alternativen zu dem mexikanischen Superfood. Leinsamen haben eine ähnliche Wirkung wie Chiasamen, sind jedoch deutlich erschwinglicher mit durchschnittlich 5 € pro Kilogramm.
Ein weiteres bekanntes Superfood ist bestimmt auch dir schon Mal unter die Augen gekommen. Der Matchatee erobert gerade Europa. Das leuchtend grüne PulverMatcha aus Japan soll wachmachen und die Konzentration steigern. Als Smoothie, in Schokolade und auch als Tee wird er verwendet. Doch wie auch schon die Chiasamen ist auch qualitativ hochwertiger Matchatee sehr teuer. Bei einem Preis von 50 € für 30g überlegt es sich der ein oder andere vielleicht lieber, ob er nicht doch auf einen handelsüblichen grünen Tee zurückgreifen möchte, der nicht weniger vitaminreich ist als die japanische Luxusalternative.
Alles in allem lässt sich sagen, dass Superfood zwar tatsächlich sehr gesund und reich an wichtigen Inhaltsstoffen ist, man jedoch auch weniger von der Werbung gehypte, günstigere Alternativen mit ähnlicher Wirkung finden kann. Eine Abwechslung im Speiseplan, bei der man jedoch auch nicht übertreiben sollte.
Quellen:
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=107544&bernr=04
http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Chia-Samen-Wirklich-ein-Superfood-491003.html
http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Matcha-Tee-Wie-gesund-er-wirklich-ist-497387.html
http://www.matcha-tee.info/

von Margherita Ragucci