DER KUCHOSAURONARDO
Wie ich das Futur III kennenlernte, verstand, wozu es ein Bärenkatapult gibt,
und was „Poetry Slam“ wirklich ist.

Zu Beginn der Osterferien hatte ich mir vorgenommen, diese zwei freien Wochen nicht nur dazu zu nutzen, genüsslich meine Osterschokolade zu vertilgen, nein, ich hatte mir auch vorgenommen, in dieser Zeit etwas Neues kennenzulernen. Fest entschlossen in diesen Ferien ein neues Hobby für mich zu entdecken, startete ich gespannt, was ich denn für mich finden würde, in diese Zeit. Ich gebe zu, den Plan hatte ich nach spätestens zwei Tagen schon wieder in den Windungen meines Hirns verschwinden lassen. Allerspätestens an Ostern – Schokolade lässt mich doch wirklich alles vergessen…
Nach Ostern kam mich dann eine Freundin für einige Tage besuchen, und das war der Punkt, an dem mein Plan wieder an Bedeutung gewann. Meine Freundin zeigte mir nämlich etwas, wovon ich vorher zwar gehört hatte, jedoch nie wirklich eine Ahnung hatte, worum es da ging: Poetry Slam.
Entweder du hast schon mal von Poetry Slam gehört, oder du fragst dich jetzt, was um Himmels Willen das sein mag. Falls du zu letzteren Lesern gehörst, möchte ich es dir erklären: Poetry Slam ist eine Art Dichterwettstreit. Gedichte werden von mehrheitlich jungen Leuten vor einem Publikum vorgetragen. Nicht vorgelesen, nein, vorgetragen. So mag man sich mal einen „Slammer“ (so heißen die Dichter) in Aktion ansehen und schnell merkt man, dass es sich nicht um eine öde Lesung handelt. Der Dichter interpretiert dabei sein Gedicht, trägt es fast schon wie ein Schauspieler vor. Ich bin mir sicher, du denkst dir gerade etwas wie „Oh nein, die möchte mich jetzt doch nicht wirklich dazu bringen, mir Gedichte in meiner Freizeit anzuhören“, nicht wahr? Gib mir noch ein paar Minuten, um dich zu überzeugen, denn Poetry Slam ist alles andere als öde Poesie.
Der erste Slam, den ich mir auf YouTube anhörte, trägt den Titel „Ein ganz normaler Tag im Leben des unglaublichen Jan Philipp Zymny“. Ich denke, es erübrigt sich, den Namen des Slammers zu nennen. Mit unglaublicher Selbstironie erklärt Jan Phillip Zymny, wie ein „ganz normaler Tag in seinem Leben aussieht“ und „zwingt uns damit, ihn kennenzulernen“. Nach den ersten Sekunden, erkennt man sofort, dass das nichts mit seinem wirklichen Alltag zu tun hat, denn in diesem Slam wird eher der Alltag eines steinreichen, arroganten Schnösels erläutert. Denn ich wage zu bezweifeln, dass Jan Phillip Zymny wirklich „einen Bademantel aus Hummelfell“ besitzt und ebenso denke ich nicht, dass er seine Zähne wirklich durch „nachwachsende Haifischzähne hat ersetzen lassen“, seine „Kutsche aus Stammzellen von sechs schneeweißen Elefanten gezogen wird“ und er einem wildfremden Mann auf der Straße „eine Insel schenkt“ (denn er hat ja noch 23 weitere) doch „zum Pech des Mannes war es Japan“. Du siehst schon, Jan Phillip Zymny hat einen sehr ausgefallenen Humor. Mein Lieblingstext von ihm nennt sich „Awesome“ und handelt von, nun ja, Awesome. Wobei Awesome in diesem Gedicht nicht den angloamerikanischen Ausruf der Begeisterung meint, sondern eine Art Wundermedizin ist, die es einem ermöglicht, das Futur III (!) zu benutzen. Du weißt nicht was das Futur III ist? Zymny erklärt das so: „Vorgänge die in der Zukunft schon so lange abgeschlossen sind, dass sie in der Gegenwart stattfinden. Das ist wie Präsens, nur umständlich!“ Der Wundermedizin Awesome ist es übrigens auch zu verdanken, dass es den Kuchosauronardo und das Bärenkatapult gibt. Du fragst dich was das ist? Dafür musst du dir wohl das Video „Awesome“ auf YouTube ansehen!

Poetry Slam
Du findest ernstere Themen besser? Kein Problem. Poetry Slam ist so kreativ wie vielfältig. In der Szene gibt es auch viele Slammer, die kritisch über politisch und gesellschaftlich relevante Themen schreiben. In „Die Orangenlimonade mit dem extra neu entwickelten Retro-Design“ äußert sich David Friedrich über unsere Gesellschaft: Wie versucht wird, Dinge zwanghaft auf alt zu trimmen, damit sie „Vintage sind“, wie Veganer die Obst-Kiste bestellen und am Ende Ravioli aus der Dose essen, während ihre Kinder im Walddorfcollege in Kanada verweilen. Er bittet dabei seine Zuhörer eindringlich, authentisch zu sein und sich nicht zu verfälschen:
„Sei mal lieber echt und dafür ein bisschen scheiße.“
Falls du jetzt Lust bekommen hast, eine Slam live mitzuerleben, kann ich dir nur empfehlen, im „Hugendubel“ oder „diagonal“ vorbeizuschauen. Dort finden regelmäßig Slams statt. Weitere Infos findest du auf der Facebook-Seite des „Brüllaffenslams“.
von Margherita Ragucci

Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/12/Poetry_Slam_Pumpe_Roter_Saal_Kiel.jpg