„Ich war schon einmal dort, und doch war die Ankunft wie Träumen“- Sarahs neues altes Leben in Tasmanien

Dove Lake from South 2008

„Es ist hier anders. Was auf jeden Fall besser ist, ist die Luft. Und das Meer sieht man von fast überall – das gibt es nur hier in Tasmanien!“
Ihre Antwort auf die Frage, wie es denn so sei, in Tasmanien, jetzt wo sie doch schon seit zwei Monaten dort lebt, kommt prompt. Nur ist es eine dumme Frage, denn man kann es sich nicht vorstellen, wie es ist, als 15-jähriges Mädchen ans andere Ende der Welt zu fliegen… und dort auch zu bleiben, und zwar für eine lange Zeit.
Sarah, meiner guten Freundin und bis letztes Jahr auch Schülerin des Reuchlin-Gymnasiums, erging es so.
„Wie manche vielleicht wissen, bin ich im September 2015 nach Tasmanien gezogen, oder besser gesagt zurückgezogen, denn ich bin schon mal dort gelebt, als ich sehr jung war- äh nein, ich meine, ich habe dort schon mal gelebt!“ Das knappe halbe Jahr Englischsprechen hat sich also schon bemerkbar gemacht.
Und das eher widerwillige Abenteuer begann damit, dass sie ins Flugzeug stieg, ein Abenteuer, von dem viele nur träumen können. Und auch für Sarah war es wie ein Traum, als sie nach insgesamt 21 Stunden Flugzeit in drei verschiedenen Flugzeugen und einem Zwischenstopp in Dubai wieder ausstieg in eine neue, gleichzeitig bekannte Welt.
„Nun ja, aber Tasmanien, ich meine, hat das nicht was mit Graf Dracula zu tun?“ – „Wie meinst du das?“ – „Na, du weißt schon…Transsilvanien, Vampire,…“- kein schlechter Scherz, sondern die Realität, denn dies war haargenau der Verlauf eines Gesprächs, als ich bei einem Bekannten erwähnte, Sarah wandere mit ihrer Familie nach Tasmanien aus. Aber kann man diese Reaktion wirklich übel nehmen? Denn wer weiß schon, was Tasmanien jetzt eigentlich wirklich ist, oder besser wo? Nun, wie sich herausstellt, ist es eine kleine, dünn besiedelte Insel südlich von Australien mit der Fläche Irlands und sehr viiieeel Wald. Insbesondere mit sehr altem Wald (2000 Jahre) und sehr hohen Bäumen (90 m).
Und das beschreibt Tasmanien auch recht gut, denn wenn Sarah von den Freizeitangeboten in Kingston, ihrer neuen Heimatsstadt, erzählt, dauert das nicht lange und endet meist in einem betrübten Seufzer: „Die meiste Zeit halte ich mich, neben meinem Zimmer, tatsächlich in der Bücherei auf, das ist einer der wenigen Orte, an denen man erstens Handyempfang und zweitens die Möglichkeit sich zu beschäftigen hat, indem man ein Buch bzw. einen Comic nach dem anderen liest. Ich könnte natürlich auch in die Stadt fahren, aber dort ist auch nicht wirklich viel geboten, wenn man nicht gerade shoppen gehen will.“
Das klingt für mich jedoch nicht weiter schlimm, wenn man bedenkt, dass es wahrscheinlich aufregend genug ist, sich erst mal im Alltag und vor allem an der neuen High-School einzuleben. Mit der Ankunft in Sarahs neuer Heimat hat sich auch in der Schule einiges geändert, denn in Australien ist das Schulsystem ein völlig anderes, sodass sie die 9. Klasse nach unserem System übersprungen hat und jetzt die 10. Klasse besucht.
wallabiesSo ein Umzug in eine fremde Umgebung ist bestimmt nicht leicht, auch musste die Familie ihre zwei Hauskatzen in gute Hände abgeben, jedoch gebe es in Tasmanien laut Sarah auch viel Tiere: „So kann man ab und an auch mal die ein oder andere Gruppe von Wallabys (eine Art klein geratene Kängurus) über den Parkplatz hüpfen sehen. Aber nur auf waldnahen Parkplätzen, was hier jedoch nun wirklich kein Problem ist.“
Außerdem gefällt ihr, wie nett die Leute dort seien, sie hätten eine ganz andere Mentalität. Damit endet unser Gespräch, es ist schon kurz vor Mitternacht nach australischer Zeit und morgen sei doch Schule, vergisst sie nicht anzumerken.
Und so leben wir in zwei verschiedenen Zeitzonen, praktisch in zwei verschiedenen Welten und werden uns wahrscheinlich erst wieder besuchen können, wenn sich ein Paralleluniversum auftut und es zulässt.

von Sophia Fois