Ganz neu und "druckfrisch":

 

Der Reuchlin Kurier

  Weihnachten 2017

 

Weihnachtskurier

 

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Wahrscheinlich haben die meisten von euch zu Hause auch einen Adventskranz, an dem ihr fleißig jede Woche vor Weihnachten eine neue Kerze entzündet habt. Aber woher kommt dieser Brauch eigentlich?
Die Geschichte des Adventskranzes beginnt vor rund 180 Jahren. Laut Überlieferung kümmerte sich der evangelische Theologe und Sozialpädagoge Johann Hinrich Wichern in Hamburg um einige in Armut lebende Kinder. Da die Kinder, genau wie heute, während der Adventszeit ständig fragten, wann denn endlich Weihnachten sei, kam er 1839 auf die Idee, den Kindern das Warten zu erleichtern. Er wollte einen Kalender bauen, der immer genau anzeigt, wie viele Tage die Kinder noch warten müssten. Dazu nahm er ein altes Wagenrad und befestigte darauf 20 kleine rote und vier große weiße Kerzen. An jedem Tag im Dezember wurde eine rote Kerze mehr angezündet und an den Adventssonntagen jeweils eine weiße. Seit etwa 150 Jahren wird der Adventskranz nun auch mit Tannengrün geschmückt und im Laufe der Zeit blieben von den 24 noch die vier Kerzen für die Adventssonntage übrig.
So war der zunächst rein evangelische Brauch des Adventskranzes geboren. Seit knapp 100 Jahren ist diese Tradition auch in der katholischen Kirche verbreitet.

von Jan Philipp Rave

Adventskranz


 


 

Hilfe! Zwei Tage bis Weihnachten und ich habe immer noch kein Geschenk für meine beste Freundin! – Last-Minute-Geschenkideen

Ich glaube, fast jeder kennt diese Situation: Es ist die letzte Woche vor Weihnachten und man muss noch etliche Geschenke besorgen, hat aber absolut keine Ideen. Deswegen soll es heute um ein paar einfache Last-Minute-Ideen für Geschenke gehen, die man, wie der Name schon verrät, sehr schnell und „in letzter Minute“ herstellen kann.
Allgemein freuen sich Eltern immer riesig über Selbstgebasteltes und meist ist es dabei relativ egal, was es ist. Sogenannte „Open when“-Briefe, auf Deutsch „Öffnen wenn“-Briefe sind da zum Beispiel eine sehr gute Idee. Man braucht dazu lediglich ein paar Briefumschläge, bunte Stifte, Papier und ein bisschen Kreativität, falls man letzteres nicht hat, kann man auch einfach im Internet nach „Open when“- Briefen suchen und findet dort eigentlich sehr gute Inspiration. Der Hintergrund dieser Briefe ist, eine nette und aufmunternde Nachricht für jede Lebenslage zu haben. Das bedeutet, dass man einfach kleine Briefe schreibt, die derjenige, der sie bekommt, dann öffnet, wenn er/sie z.B. krank ist. Hier könnte man einen Teebeutel in den Briefumschlag stecken und vorne „Open when…you're sick“ oder auf Deutsch „Öffnen, wenn du krank bist“ drauf schreiben und verzieren. Mit ein bisschen Kreativität oder Inspiration durch das Internet bekommt man so sehr schnell ein paar süße Ideen zusammen.
Last Minute GeschenkideenFür Verwandte eigenen sich des Weiteren auch sehr gut einfach Fotos von sich und der Familie in einem schönen Bilderrahmen, denn darüber freuen sich die meisten, weil es etwas sehr Persönliches ist. Ebenso wie Fotoalben, in die man einfach Fotos seiner Wahl einkleben und, wenn man möchte, mit einem kleinen Spruch verzieren kann. Das ist auch gar nicht aufwendig, denn Fotoalben bekommt man in Drogeriemärkten schon für 2 bis 5 € und Fotos kann man entweder mit dem Drucker zuhause oder, falls man etwas höhere Qualität haben möchte, im Copyshop ausdrucken. Das dauert nicht lange und ist ein sehr individuelles und persönliches Geschenk. Für eine Freundin oder einen Freund kann man das Ganze auch so abwandeln, dass man Bilder nimmt, die im letzten Jahr entstanden sind, sie chronologisch ordnet, sodass es eine Art Kalender der Ereignisse des gesamten letzen Jahres wird.
Ein weiterer Einfall für ein Geschenk, das sich sehr schnell vorbereiten lässt, nicht viel kostet und nur wenig Zeit in Anspruch nimmt, ist ein Glas voller positiver Dinge – Dinge, die man zusammen unternehmen möchte, Dinge, die man an der Person, der man es schenkt, mag, oder einfach Komplimente oder ermutigende Sprüche, falls derjenige, der es bekommt, einen schlechten Tag hat. Dazu braucht man einfach ein leeres Marmeladenglas, das man zum Beispiel durch ein paar Geschenkbänder und -schleifen aufpeppen kann, Papier, Stifte und Kreativität. Auch hier gilt: Falls euch nichts einfällt, sucht einfach mal im Internet. Dann nimmt man einfach die Zettel, schneidet sie in gleich große Streifen und schreibt beispielsweise Komplimente darauf oder eben Dinge, die ihr gemeinsam erleben wollt. Lasst eurer Kreativität freien Lauf! Am Ende könnt ihr noch ein kleines Schild auf dem Glas anbringen, damit man weiß, was sich im Glas befindet, und die beschriebenen Zettel einfüllen. Fertig!
Zu guter Letzt eine der einfachsten und bekanntesten Geschenkideen: Süßigkeiten. Man kann aus Süßigkeiten mit der richtigen Technik auch sehr gut niedliche Figuren basteln, wie zum Beispiel einen Schlitten aus zwei Zuckerstangen und kleinen Schokoladentafeln und etwas Klebstoff. So ist die Geschenkidee nicht ganz so langweilig und wird vielleicht doch für den ein oder anderen verblüfften Blick sorgen. Und es ist kreativer, als eurer Freundin einfach nur eine Tüte Gummibärchen mit einer Schleife umwickelt zu Weihnachten zu schenken!
Falls ihr jetzt noch immer keine Ideen habt, schaut einfach mal im Internet oder greift auf die klassische Weihnachtskarte zurück, das geht immer! Und? Habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke zusammen oder schiebt ihr es – wie ich oft – bis in die letzte Woche und greift dann auf Last Minute-Geschenkideen zurück?


von Tamina Obermeier


 

Weihnachtsbräuche in fremden Ländern (Teil 1) - Weihnachten in Serbien

In Serbien wird Weihnachten nicht, wie wir es kennen, am 24. Dezember gefeiert, sondern am 6. oder 7. Januar. Der Grund dafür ist ein anderer zugrundeliegender Kalender, der sogenannte „Julianische Kalender“, an dem sich die orthodoxe Kirche in einigen Gebieten orientiert.
Da die Serben die Weihnachtszeit mit vielen Bräuchen verbinden, sind das vor allem für die Kinder die schönsten Tage im ganzen Jahr. Am 6. Januar wird der Tag vor Weihnachten gefeiert, das heißt, die Serben fällen an diesem Tag, noch vor Tagesanbruch, einen „Badnjak“, eine junge Eiche, die das Holz von Jesu Kreuz symbolisiert.
SerbienDer Heilige Abend wird dann mit einer Messe begonnen und endet schließlich mit einem gemeinsamen Abendessen, bei dem jedoch nur Fastenessen angeboten wird, da bereits sechs Wochen vor Heiligabend die Fastenzeit beginnt. An Weihnachten, das in Serbien drei Tage lang gefeiert wird, endet dann die Fastenzeit.
Einer der wohl wichtigsten Bräuche hierbei ist das „Cesnica“, das Weihnachtsbrot. In dieses Brot wird eine Münze eingebacken und der, der das Stück Brot mit der Münze erhält, soll daraufhin ein ganzes Jahr glücklich sein.
Das Hauptziel dieser alten Bräuche sei es – so die orthodoxen Serben – Gottes Gnade und seinen Schutz für die gesamte Familie und alle, die sie liebten, zu erbitten.

von Melina Spiße


 

 

 


 

Weihnachten – damals wie heute?

Weihnachten damals wie heute„Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag, zum Geburtstag, zum Geburtstag viel Glück!“
Dieses klassische Lied singt man oft zum Geburtstag. Doch so war es nicht immer, denn damals war der Tag der Geburt ein Tag wie jeder andere. Erst nach der Geburt Christi feierte man Geburtstag.
Diesen besonderen Tag des Geburtstags Jesu Christi kennt jeder: Weihnachten! Man feiert ihn heutzutage üblicherweise mit einem Weihnachtsbaum, Kerzen und mehr oder weniger kitschiger Dekoration über drei Tage hinweg. Doch in früheren Zeiten war Wachs sehr teuer und man stellte keinen beleuchteten Baum auf. Es war ein sehr karges Weihnachten, nicht so wie wir es kennen.
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war das Fest als Gabenfest bekannt, man beschenkte sich gegenseitig, damit man nicht hungern musste. So machten reiche Leute ihren Angestellten und den Armen Geschenke.
von Aimee Englmeier

 

 


 


 

Weihnachtsbräuche in fremden Ländern (Teil II): Weihnachten unter den Palmen von Hawaii

Weihnachten - ein magisches Wort, mit dem die meisten Kälte, Kerzenschein, ein knisterndes Kaminfeuer und Spaziergänge im Schnee verbinden. Doch hast du schon mal versucht, Weihnachten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und zu sehen wie dieses traditionelle Fest 11.997 km weit entfernt auf der immerzu sonnigen Südpazifik-Insel Hawaii gefeiert wird? Im Folgenden erfährst du alles über die hawaiianischen Weihnachtsbräuche, ihre Geschichte und wie die Hawaiianer sich ihre eigene Weihnachtsatmosphäre auf einer Insel, auf der Kälte eine Besonderheit ist, schaffen.
Weihnachten auf HawaiiAngefangen hat alles im Jahr 1820, als das Weihnachtsfest von nordamerikanischen Missionaren auf Hawaii verbreitet wurde. Nachdem Hawaii schließlich 1959 als Bundesstaat Nordamerikas anerkannt wurde, wurde dieser christliche Brauch in der hawaiianischen Kultur verankert und schlug von da an Wurzeln: Wenn man heutzutage dem vorweihnachtlichen Hawaii einen Besuch abstattet, kann man überall weihnachtlich geschmückte Vorgärten ausfindig machen, die große Ähnlichkeit mit unseren aufweisen.
Kitsch as Kisch can
Jedoch sind auch einige Besonderheiten gegenüber den traditionellen Weihnachtsmann- und Rentierfiguren festzustellen, die sich dort mit der Zeit in Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten eingebürgert haben: Besonders ins Auge fallen Weihnachtsmänner in Badehosen und von Delfinen gezogene Surfboards statt Schlitten, die von Rentieren gezogen werden. Das Motto? – Wie in den USA üblich: „Kitsch as Kitsch can“ (frei übersetzt: „So viel Kitsch wie nur möglich“). Außerdem ist es dort nicht ungewöhnlich, eine Palme zum Weihnachtsbaum umzufunktionieren, während man sich von Lebkuchen, Glühwein und Co. leider auch verabschieden muss. Nichtsdestoweniger hört man immer wieder allseits bekannte amerikanische Pop-Weihnachtslieder wie „Last Christmas“ und „Let it snow“, vermutlich, um sich in der sommerlichen Hitze den nicht vorhandenen Schnee herbeizuzaubern.
Doch wenn du jetzt denkst, dass man auf Hawaii in der Winterzeit keinen Schnee erleben kann, liegst du falsch, denn die vulkanische Insel ist geographisch sehr vielseitig geprägt: Einerseits kann es an Hawaiis flachen Stellen im Dezember bis zu 27 Grad warm werden, andererseits ist es in den Bergregionen des Mauna Loa und Mauna Kea genau umgekehrt, denn dort kann man in der Weihnachtszeit mit Minusgraden und viel Schnee zum Skifahren rechnen.
Truthahn und Reiskuchen
Weihnachten auf Hawaii2Die eigentlichen Festtage beginnen auf Hawaii in der Hauptstadt Honolulu mit einer großen Lichterparade am 3. Dezember, bei der ein über 15 Meter hoher Tannenbaum aufgestellt und beleuchtet wird. Da das Weihnachtsfest sich, wie bereits erwähnt, ursprünglich von Nordamerika aus nach Hawaii verbreitet hat, laufen die Weihnachtsfeiertage auch genauso ab: An Heiligabend gibt es Truthahn, während die Kinder aber erst noch warten müssen, bis der Weihnachtsmann am nächsten Morgen die Geschenke bringt.
Auch wenn man auf Hawaii keine Lebkuchen und sonstiges uns bekanntes Weihnachtsgebäck finden wird, gibt es die Tradition des Reiskuchens. Dabei kommen am 27. Dezember alle Inselbewohner in dem Dorf Wailea zusammen, um viele solcher „Mochis“ nach einem altbewährten Rezept, das ursprünglich aus Japan stammt, herzustellen.
Wie heißt es so schön: Weihnachten ist keine Saison, es ist ein Gefühl. Auf Hawaii kann man genau dieses Gefühl auch mit Sommerwetter spüren.


von Louisa Wenzel

 


Quellen: http://www.pacific-travel-house.com/blog/2014/12/weihnachten-auf-hawaii/
http://www.lahaina.de/Hawaii_Reisefuehrer/Weihnachten-in-Hawaii/weihnachten-in-hawaii.html


 

Selbstgemacht! – Individuelle Geschenkideen für eure Liebsten

Bald kommt wieder der Stress: Alle kaufen Geschenke jeglicher Art für Familie und Freunde, doch was sind gute Präsente für die Bescherung? Und welche kann man auch selber machen?

Hier sind noch mehr Ideen und vielleicht ja auch dein neues Geschenk:

Du kannst zum Beispiel mit Moosgummi verschiedene Stempel basteln und hast dann deine individuellen Stempel zum Verschönern von Kissenbezügen und Tüchern.
Oder wenn du gut nähen kannst, nähst du deiner zu beschenkenden Person einfach eine Handy-, Tablet-, Ebook- oder Laptophülle aus Leder oder anderem festem Stoff wie Filz etc. Doch wenn dir das zuviel Arbeit ist, kannst du tolle Modelle auch bequem im Internet bestellen.
Weihnachtsideen DeboraWas bei Frauen, insbesondere bei Mädchen, gut ankommt, sind Beauty-Boxen. Das sind ganz viele Kosmetikprodukte in einem Glas oder in einer Schachtel. So stellt man z.B. ein kleines Maniküreset und ein paar Gesichts- und Hautmasken und eventuell noch Peelings zusammen und schon ist ein gelungenes Geschenk entstanden.
Was für jeden eigentlich ganz hübsch ist, ist ein sogenannter Gutscheinkalender. Man kann die Gutscheine einfach auf Kärtchen schreiben, aber auch Bilder mit bestimmten Motiven ausdrucken und auf die Rückseite schreiben, welche Art von Gutschein es ist.
Bei Jungen und Männern weiß man nicht so recht, was man ihnen schenken soll, doch ich habe einige Geschenke die in Frage kommen könnten:
Ein gutes Präsent ist zum Beispiel ein bedrucktes T-Shirt. Man kann es entweder selbst bedrucken (siehe oben) oder man kauft es fertig im Internet oder im Geschäft.
Wenn man einer männlichen Person aber etwas Ausgefallenes schenken möchte, ist eine Lautsprecherbox mit Lichtfunktion gerade das Richtige. Dieses gibt es natürlich im Netz oder beim Elektrohändler zu kaufen.
Wenn dir das Basteln und Handwerken nicht liegt, kannst du die meisten Weihnachtsgeschenke auch im Internet bestellen und dennoch sind sie individuell:
So kannst du dort personalisierte Geschenke kaufen wie Armbänder mit Gravur oder Schneekugeln mit einem schönen Foto von dir und der Person, der du es schenken möchtest. Des Weiteren könntest du Erlebnisgutscheine zum Beispiel von „Jochen Schweizer“ oder „mydays“ besorgen. So verschenkst du auf jeden Fall Freude!

Ich hoffe, ich konnte dir in Sachen Geschenkideen für Weihnachten weiterhelfen. Dann kann es ja nur ein tolles Fest werden!


von Débora Ziel


 

Weihnachten im Konsumrausch – der Gipfel der Geschmacklosigkeit

Weihnachtskonsum Santa ClausWenn schon am Tag nach Halloween Weihnachtslieder im Radio dudeln, jeder zweite Werbeslogan wie ein Synonym von „Kauf dich glücklich!“ klingt und die Läden bereits nach den Sommerferien Lebkuchen im Sortiment haben, dann weiß man gleich was los ist: Oh Schreck, es ist bald wieder Weihnachten!
Weihnachten – einer der wichtigsten Feiertage Deutschlands und gleichzeitig die schlimmste Zeit des Jahres. Wer nun denkt, dies sei übertrieben, ist entweder noch nicht alt genug, um in weihnachtlichen Kaufstress zu geraten oder wurde durch unsere Konsumgesellschaft einer Gehirnwäsche unterzogen. Es scheint, als sei Weihnachten nur dazu da, um Weihnachtsdeko-, Weihnachtsgebäck-, Weihnachtskalender- und Spielzeugfirmen Geld hinterherzuwerfen. Aus „Weihnachten, dem Fest der Liebe“ wird „Weihnachten, das Fest des Kaufens, des sich die Bäuche Vollschlagens wie die Maden im Speck und auf Knopfdruck Wohltätigkeit Heuchelns“. Heutzutage ist das Fest der Christen, der Familie, der Barmherzigkeit und Liebe meist nur noch auf den Geschenkeaustausch reduziert. Für das gute Gewissen wird noch schnell auf Social-Media-Plattformen ein „Frohe Weihnachten!“ geteilt, was dann aber auch genug der Besinnung sein soll.

13.000 Tonnen Christbaumschmuck
Für diejenigen die immer noch an der Profitorientierung des Weihnachtsfestes zweifeln, gibt es jetzt ein paar Zahlen: Für 2016 erwartete der Handelsverband Deutschland einen Umsatz des deutschen Einzelhandels im Weihnachtsgeschäft in Höhe von 91 Milliarden Euro, während allein die Schokoladenweihnachtsmänner einen Profit von rund 76 Millionen Euro machten. Letztes Jahr wurden über 13.000 Tonnen Christbaumschmuck und Weihnachtsdekoration importiert. Jeder Deutsche soll diesen Advent im Schnitt 285 Euro für Geschenke ausgeben, das gilt selbst für Bürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger als 1.500 Euro. Ganz im Gegenteil, genau diese Menschen am unteren Ende der Einkommensskala gäben laut den Konsumforschern der GfK nochmal 35 Euro mehr aus. Was sich in letzter Zeit noch dazu geändert hat: Circa jeden zehnten Euro wird der Einzelhandel im Netz verdienen, ein Großteil davon bei Internethändlern wie Amazon. Die Post rechnet mit sechs Millionen zu verschickender Pakete, täglich! Mindestens 10.000 Aushilfen und 40.000 Lastwägen seinen nötig, um die enorme Paketmenge zu transportieren.

Stau, Müll und erhöhter Stromverbrauch
Der Konsum an Weihnachten ist nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern wirkt sich auf nahezu alle Bereiche aus. Die Umwelt wird stark belastet durch den erhöhten Benzinverbrauch kilometerlanger Staus auf der Autobahn und den Einsatz von Sonderzügen der Bahn, um alle Menschen rechtzeitig zu ihren Familien zu bringen. So auch durch den Müll, der aus rund zehn Prozent mehr Papierverpackungen an Weihnachten als an jedem anderen Tag des Jahres besteht. Noch extremer ist die Lage der jährlich weggeschmissenen Lebensmittel, welche 6,7 Millionen Tonnen betragen. Diese Zahl steigt zur Weihnachtszeit nochmal drastisch an. Und auch der Energieverbrauch, allein am ersten Weihnachtsfeiertag, spricht Bände: 480 Millionen Kilowattstunden. Wahrlich erdrückende Zahlen – die dunkle Seite von Weihnachten.
Die Deutschen - Erfinder des Weihnachtskommerzes
Doch damit ist Deutschland nicht allein: Viele andere Länder der Welt wie beispielsweise die USA, die bekannte Hochburg des Kitsch (zumindest wenn es um Weihnachten geht), machen es nicht besser. Speziell in Amerika könnte man Weihnachten den Gipfel des Kommerzes nennen. Bei den Worten „Weihnachten“ und „USA“ denken wohl die meisten Deutschen an Kinder in Kaufhäusern, die dem Weihnachtsmann ellenlange Wunschlisten vortragen, mit Lichterketten überladene Häuser, welche die Energie eines Kernkraftwerks verbrauchen und mindestens einmal auch an „Santa Claus“ als Erfindung der Coca-Cola-Werbung. Mit alledem wollen wir Deutschen natürlich nichts zu tun haben, doch sind genau genommen wir die „Erfinder“ der kommerziellen Weihnachts-Propaganda. Bereits im 14. Jahrhundert, noch lange vor der Industrialisierung, hielten wir Deutschen schon Weihnachtsmärkte ab, um Gebäck und Weihnachtsgeschenke zu verkaufen. Wir waren zu der Zeit die ersten, die den gesamten Globus mit billigem Holzspielzeug, das im Erzgebirge in Massenproduktion war, überschwemmten. Das Erzgebirge ist auch schuld an der geschmacklosen Weihnachtsbeleuchtung, denn damals wurden die Fenstersimse mit geschnitzten Figürchen, die Kerzen in den Händen hielten, geschmückt, um die Häuser zu beleuchten, wenn sich die Bergleute nach der Arbeit in der Dunkelheit auf den Weg nach Hause machten – der Vorreiter der farbig blinkenden Lichterkette also. Praktisch das ganze Konzept der ausladenden Blinklichter durch genannte Ketten als Haus- und Weihnachtsbaumschmuck wurde von uns verursacht! Auch der Baum stammt von unseren Vorfahren, den Germanen, die sich, als Ausdruck der Hoffnung auf den nächsten Frühling, zur Wintersonnenwende Immergrün in ihre Häuser stellten. Nicht nur das, wir globalisierten ihn auch noch: Da der Baum sehr beliebt beim Adel war, übernahm man diese Sitte, wann immer deutsche Prinzen und Prinzessinnen mit ausländischen Königshäusern verheiratet wurden. 1781 kam der Weihnachtsbaum schließlich durch eine deutsche Baronin nach Nordamerika. Was damals zunächst als unchristlich verpönt wurde, wird heutzutage im Unmaß in exorbitanten, umwelttechnisch bedenklichen Baumschulen produziert, um dann rechtzeitig abgeholzt zu werden. Des Weiteren wurde der typisch amerikanische Santa 1930 zwar von Coca-Cola als Werbefigur benutzt, ist aber eigentlich, so wie wir ihn kennen mit rosigen Bäckchen, Übergewicht, am Nordpol residierend und von Rentieren umgeben, vom deutschen Cartoonisten Thomas Nast (1840-1902) ins Leben gerufen worden. Obwohl das erste Mal, dass Santa Claus (vom holländischen „Sinterklaas“) mit dem typischen Bild des kleinen, kugelrunden Mannes mit Geschenken im überdimensionalen Jutebeutel, in Verbindung gebracht wurde, 1823 mit dem amerikanischen Gedicht „A visit from St. Nicholas“ geschah, wurde diese Versinnbildlichung des Weihnachtsmannes erst mit genanntem Cartoonisten, der im 19. Jahrhundert neben Mark Twain der bekannteste seines Genres war, populär. Diese Zeichnung wich stark von seinen üblichen Werken ab, die üblicherweise Sklaverei, Diskriminierung, Korruption und politische Borniertheit zu Zeiten des damals vorherrschenden Bürgerkrieges zeigten. So kann man wohl sagen, dass ein Großteil der ausladenden Weihnachtsbräuche der USA, die von uns so belächelt werden, lediglich Weiterentwicklungen unserer deutschen Traditionen sind.
Was haltet ihr eigentlich von alledem? Wer nun auch aufgebracht ist und etwas gegen den Kommerz, die Umweltverschmutzung und den grauenvollen Kitsch tun will, der kann sich der kommunistisch angehauchten Demonstrantengruppe „Losers with women“ („Verlierer bei Frauen“), bestehend aus ungefähr 20 Japanern, die jährlich vor Weihnachten durch Tokios Straßen ziehen, anschließen und gegen den Kapitalismus protestieren. Bei Bedarf auch gerne am Valentinstag, der laut den Demonstranten nur dazu beiträgt, um Geld aus Verliebten Menschen zu saugen. Das ist jedoch ein anderes Thema.

von Sophia Fois