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Weihnachten im Konsumrausch – der Gipfel der Geschmacklosigkeit

Weihnachtskonsum Santa ClausWenn schon am Tag nach Halloween Weihnachtslieder im Radio dudeln, jeder zweite Werbeslogan wie ein Synonym von „Kauf dich glücklich!“ klingt und die Läden bereits nach den Sommerferien Lebkuchen im Sortiment haben, dann weiß man gleich was los ist: Oh Schreck, es ist bald wieder Weihnachten!
Weihnachten – einer der wichtigsten Feiertage Deutschlands und gleichzeitig die schlimmste Zeit des Jahres. Wer nun denkt, dies sei übertrieben, ist entweder noch nicht alt genug, um in weihnachtlichen Kaufstress zu geraten oder wurde durch unsere Konsumgesellschaft einer Gehirnwäsche unterzogen. Es scheint, als sei Weihnachten nur dazu da, um Weihnachtsdeko-, Weihnachtsgebäck-, Weihnachtskalender- und Spielzeugfirmen Geld hinterherzuwerfen. Aus „Weihnachten, dem Fest der Liebe“ wird „Weihnachten, das Fest des Kaufens, des sich die Bäuche Vollschlagens wie die Maden im Speck und auf Knopfdruck Wohltätigkeit Heuchelns“. Heutzutage ist das Fest der Christen, der Familie, der Barmherzigkeit und Liebe meist nur noch auf den Geschenkeaustausch reduziert. Für das gute Gewissen wird noch schnell auf Social-Media-Plattformen ein „Frohe Weihnachten!“ geteilt, was dann aber auch genug der Besinnung sein soll.

13.000 Tonnen Christbaumschmuck
Für diejenigen die immer noch an der Profitorientierung des Weihnachtsfestes zweifeln, gibt es jetzt ein paar Zahlen: Für 2016 erwartete der Handelsverband Deutschland einen Umsatz des deutschen Einzelhandels im Weihnachtsgeschäft in Höhe von 91 Milliarden Euro, während allein die Schokoladenweihnachtsmänner einen Profit von rund 76 Millionen Euro machten. Letztes Jahr wurden über 13.000 Tonnen Christbaumschmuck und Weihnachtsdekoration importiert. Jeder Deutsche soll diesen Advent im Schnitt 285 Euro für Geschenke ausgeben, das gilt selbst für Bürger mit einem Nettomonatseinkommen von weniger als 1.500 Euro. Ganz im Gegenteil, genau diese Menschen am unteren Ende der Einkommensskala gäben laut den Konsumforschern der GfK nochmal 35 Euro mehr aus. Was sich in letzter Zeit noch dazu geändert hat: Circa jeden zehnten Euro wird der Einzelhandel im Netz verdienen, ein Großteil davon bei Internethändlern wie Amazon. Die Post rechnet mit sechs Millionen zu verschickender Pakete, täglich! Mindestens 10.000 Aushilfen und 40.000 Lastwägen seinen nötig, um die enorme Paketmenge zu transportieren.

Stau, Müll und erhöhter Stromverbrauch
Der Konsum an Weihnachten ist nicht nur eine logistische Herausforderung, sondern wirkt sich auf nahezu alle Bereiche aus. Die Umwelt wird stark belastet durch den erhöhten Benzinverbrauch kilometerlanger Staus auf der Autobahn und den Einsatz von Sonderzügen der Bahn, um alle Menschen rechtzeitig zu ihren Familien zu bringen. So auch durch den Müll, der aus rund zehn Prozent mehr Papierverpackungen an Weihnachten als an jedem anderen Tag des Jahres besteht. Noch extremer ist die Lage der jährlich weggeschmissenen Lebensmittel, welche 6,7 Millionen Tonnen betragen. Diese Zahl steigt zur Weihnachtszeit nochmal drastisch an. Und auch der Energieverbrauch, allein am ersten Weihnachtsfeiertag, spricht Bände: 480 Millionen Kilowattstunden. Wahrlich erdrückende Zahlen – die dunkle Seite von Weihnachten.
Die Deutschen - Erfinder des Weihnachtskommerzes
Doch damit ist Deutschland nicht allein: Viele andere Länder der Welt wie beispielsweise die USA, die bekannte Hochburg des Kitsch (zumindest wenn es um Weihnachten geht), machen es nicht besser. Speziell in Amerika könnte man Weihnachten den Gipfel des Kommerzes nennen. Bei den Worten „Weihnachten“ und „USA“ denken wohl die meisten Deutschen an Kinder in Kaufhäusern, die dem Weihnachtsmann ellenlange Wunschlisten vortragen, mit Lichterketten überladene Häuser, welche die Energie eines Kernkraftwerks verbrauchen und mindestens einmal auch an „Santa Claus“ als Erfindung der Coca-Cola-Werbung. Mit alledem wollen wir Deutschen natürlich nichts zu tun haben, doch sind genau genommen wir die „Erfinder“ der kommerziellen Weihnachts-Propaganda. Bereits im 14. Jahrhundert, noch lange vor der Industrialisierung, hielten wir Deutschen schon Weihnachtsmärkte ab, um Gebäck und Weihnachtsgeschenke zu verkaufen. Wir waren zu der Zeit die ersten, die den gesamten Globus mit billigem Holzspielzeug, das im Erzgebirge in Massenproduktion war, überschwemmten. Das Erzgebirge ist auch schuld an der geschmacklosen Weihnachtsbeleuchtung, denn damals wurden die Fenstersimse mit geschnitzten Figürchen, die Kerzen in den Händen hielten, geschmückt, um die Häuser zu beleuchten, wenn sich die Bergleute nach der Arbeit in der Dunkelheit auf den Weg nach Hause machten – der Vorreiter der farbig blinkenden Lichterkette also. Praktisch das ganze Konzept der ausladenden Blinklichter durch genannte Ketten als Haus- und Weihnachtsbaumschmuck wurde von uns verursacht! Auch der Baum stammt von unseren Vorfahren, den Germanen, die sich, als Ausdruck der Hoffnung auf den nächsten Frühling, zur Wintersonnenwende Immergrün in ihre Häuser stellten. Nicht nur das, wir globalisierten ihn auch noch: Da der Baum sehr beliebt beim Adel war, übernahm man diese Sitte, wann immer deutsche Prinzen und Prinzessinnen mit ausländischen Königshäusern verheiratet wurden. 1781 kam der Weihnachtsbaum schließlich durch eine deutsche Baronin nach Nordamerika. Was damals zunächst als unchristlich verpönt wurde, wird heutzutage im Unmaß in exorbitanten, umwelttechnisch bedenklichen Baumschulen produziert, um dann rechtzeitig abgeholzt zu werden. Des Weiteren wurde der typisch amerikanische Santa 1930 zwar von Coca-Cola als Werbefigur benutzt, ist aber eigentlich, so wie wir ihn kennen mit rosigen Bäckchen, Übergewicht, am Nordpol residierend und von Rentieren umgeben, vom deutschen Cartoonisten Thomas Nast (1840-1902) ins Leben gerufen worden. Obwohl das erste Mal, dass Santa Claus (vom holländischen „Sinterklaas“) mit dem typischen Bild des kleinen, kugelrunden Mannes mit Geschenken im überdimensionalen Jutebeutel, in Verbindung gebracht wurde, 1823 mit dem amerikanischen Gedicht „A visit from St. Nicholas“ geschah, wurde diese Versinnbildlichung des Weihnachtsmannes erst mit genanntem Cartoonisten, der im 19. Jahrhundert neben Mark Twain der bekannteste seines Genres war, populär. Diese Zeichnung wich stark von seinen üblichen Werken ab, die üblicherweise Sklaverei, Diskriminierung, Korruption und politische Borniertheit zu Zeiten des damals vorherrschenden Bürgerkrieges zeigten. So kann man wohl sagen, dass ein Großteil der ausladenden Weihnachtsbräuche der USA, die von uns so belächelt werden, lediglich Weiterentwicklungen unserer deutschen Traditionen sind.
Was haltet ihr eigentlich von alledem? Wer nun auch aufgebracht ist und etwas gegen den Kommerz, die Umweltverschmutzung und den grauenvollen Kitsch tun will, der kann sich der kommunistisch angehauchten Demonstrantengruppe „Losers with women“ („Verlierer bei Frauen“), bestehend aus ungefähr 20 Japanern, die jährlich vor Weihnachten durch Tokios Straßen ziehen, anschließen und gegen den Kapitalismus protestieren. Bei Bedarf auch gerne am Valentinstag, der laut den Demonstranten nur dazu beiträgt, um Geld aus Verliebten Menschen zu saugen. Das ist jedoch ein anderes Thema.

von Sophia Fois