P-Seminar Gattungen

Portrait, Landschaft, Genre, Stillleben, Historienbild

Am Anfang war das weiße Blatt, die Angst es zu versauen und gar nicht erst anfangen um möglichst nichts falsch zu machen. Der nächste Blick galt den Themen. Zuerst machten wir eine kleine Einführung zu den verschiedenen Gattungen, wobei ich Ihnen zum Thema passende Bilder aus ganz unterschiedliche Epochen zeigte. Viele konnten mit dem etwas antiquierten Begriff Historienbild nichts anfangen. Dabei ist mir aufgefallen dass sich das Genre Historienmalerei entscheidend in die Fotografie verlagert hat, durch seine Spontanität und Schnelligkeit ist die Fotografie entscheidend schneller wenn es um das Einfangen von monumentalen Motiven der Historienmalerei geht.
Die nächsten Unterrichtseinheiten wurden dazu benutzt die verschiedenen Techniken kennenzulernen und anschließen versuchten wir uns den verschiedenen Gattungen erst einmal zeichnerisch zu nähern. Jeder meiner Schüler bekam die Aufgabe zu jeder Gattung verschiedene Versuche mit unterschiedlichen Techniken zu versuchen.
Dabei war am Anfang die Findung des Motives schwierig, da sie es nicht gewohnt waren von sich selbst heraus ein Motiv zu wählen. Ich entschied sie einfach mal machen zu lassen und sie teilweise gezielt zu befragen. Mit einer gezielten Auswahl von Künstlern besorgt ging es dann in ein weiteres Level der Motivfindung.
Ich entschied Ihnen die Reihenfolge soll egal sein, wichtig war das sie anfangen ihre Ideen umzusetzen um zu erkennen welche Technik die richtige sei. Dies geschah ziemlich individuell da jeder Schüler eine andere Geschwindigkeit hat und an einem anderen Level seiner Fähigkeiten ist.
Die meisten verschüchtern sich Anfangs in vertrauten Techniken wie Kohle, Bleistiftzeichnung, oder Wassermalfarben und einige trauten sich sogar mit Acrylfarben zu malen.
In dem Moment wo das Mittel der Zeichnung an seiner Grenze angekommen war machte ich eine Einführung in die Technik des Ölmalens und gab somit vielen eine neu Idee von Möglichkeiten.
So hatte jeder Schüler die Angst vor dem weißen Blatt erstmal überwunden, weil jeder neugierig darauf war die neuen Techniken wie, Pigment, Acryl, Öl, Pastell und Siebdruck auszuprobieren. Sie bekamen die Möglichkeit auf Papier, Holz, Leinwand und Karton zu malen. Es hat sie sozusagen eintauchen lassen und die Vielzahl von Möglichkeiten gab ihnen im Rahmen der Gattungen neue Ideen.
So mit hat jeder ausprobiert und versucht und erst mal das große Ziel nicht mehr vor Augen gehabt, sondern sich voll und ganz auf den Prozess konzentriert.
Wenn es einmal mit der Technik nicht so geklappt hat wie sich manche das vorgestellt haben, griff ich gerne was Motiv und Technik betraf helfend ein.
Mit der Zeit entstanden somit immer intensivere Bilder, an denen man ihr eigenes Interesse beobachten und erkennen konnte. Manche Schüler konnte ich beobachten, wie sie 2 Stunden vollkommen konzentriert gearbeitet haben und sich anschließend wunderten wie schnell die Zeit vergangen ist. Mit dieser Intensität und Kraft erarbeiteten sich viele der Schüler wunderbare Bilder, die wir immer wieder in Abständen in der Klasse besprochen haben. Somit hat jeder auch gesehen was die anderen machen, wie man darüber denkt, wo Stärken und Schwächen in den Bildern sind, wie man Lösungen dafür findet und auch dass man Ideen durch diesen Austausch bekommt.
Das Erarbeiten der Genres war die eine Aufgabe, die andere war einen geeigneten Ausstellungsraum zu finden. Zur Auswahl standen die Räume im Kreuztor oder Harderbastei. Meine Schüler organisierten selbständig eine Besichtigung und wir wägten pro und contra ab und entschieden uns nach längerer Überlegung für die Harderbastei.
Es gelang ihnen im engen Terminplan der sehr beliebten Galerie ein Wochenende zu ergattern auf das wir dann ab November 2016 gezielt hingearbeitet haben.
Durch die gute Kommunikation untereinander im Seminar haben sie viele Probleme meistens gleich gelöst. Und als der Termin nähergerückt war und die Ideen zur Ausstellung ausgereifter waren habe ich noch den Vorschlag einer musikalischen Untermalung gemacht, der sich im Nachhinein als sehr schöner und intensiver Moment in der Ausstellung herausgestellt hat. Hierbei möchte ich mich bei unserem Musiklehrer Robert Aicher und seiner Band Stromlos noch einmal explizit für die hervorragende Musik bedanken.
Nachdem wir dann im Februar die Ausstellung schon vor Augen hatten, machten wir zusammen eine Auswahl von Werken und es merkten einige, dass sie vielleicht noch ein paar Mehr Bilder entwickeln wollen. Die Faschingsferien hindurch haben manche sich selbst übertroffen und wunderschöne Bilder entwickelt.
Der letzte große Schritt war die Bilder zu hängen. Normalerweise ist das ein ganz schwieriger Moment indem man noch mal Arbeiten überdenkt und rausschmeißt oder die Kombination der Bilde nicht stimmt. Gerade bei so vielen Leuten ist das normalerweise recht schwierig einen Konsens zu finden. Umso erstaunter war ich als ich sie mit Idee und Tatkraft an diese Arbeit gingen. Als Team fingen sie an zu überlegen wo was hingehängt wird. Um Ihnen das ein wenig zu erleichtern ließ ich Sie die Bilder erst einmal an die legen wo sie schließlich gehängt werden sollen. Das erleichtert das Sehen und hilft das Richtige auszuwählen. Sie arbeiteten intensiv den ganzen Nachmittag und am Abend als alle erschöpft waren könnte man das hervorragende Resultat der ganzen 2 Jahre Arbeit erkennen.
Selbst ich als alter Hase habe was vollkommen Neues gelernt und gemacht, eine Eröffnungsrede. Ich habe schon unzählige Male eine Rede gehalten aber in so einem Kontext ist das doch wieder ganz anders und ich war mit Sicherheit genau so aufgeregt wie meine Schüler vor der Ausstellung.
Die Ausstellung war durch die wunderbaren Arbeiten, den Raum und die Musik zum vollen Erfolg, wie man auch dem Zeitungsartikel entnehmen kann. Durch zahlreiche Gespräche mit Gästen wurde sehr schnell klar wie sehr Ihnen das gefällt. Einige Bilder gefielen den Gästen teilweise so gut dass sie erfolgreich verkauft wurden.
Die Arbeiten leuchteten vor allem durch ihre selbständig erarbeiteten Motive, Ideen und Umsetzungen und am wichtigsten war dass sie lernen für sich selbst Entscheidungen zu fällen, denn Kunst heißt auch sich zu entscheiden.

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