Warum Latein?

Im Folgenden finden Sie einige gute Gründe dafür, dass es sinnvoll ist, Latein auch im 21. Jahrhundert am Gymnasium zu lehren und zu lernen:

Ab der 5. Jahrgangsstufe begegnen die Schülerinnen und Schüler am Reuchlin-Gymnasium der “Regina Linguarum“ (R. Neumaier, SZ 10/11, 10/11.01.2015), der “Königin der Sprachen“ und Mutter der romanischen Sprachen.
Sie lernen dabei nicht nur die lateinischen Wörter und Formen kennen, sondern verbessern dabei auch erheblich ihr Verständnis der deutschen Sprache, wie das überdurchschnittlich gute Abschneiden der Gymnasien mit Latein als erster Fremdsprache beim zentralen bayerischen Deutschtest eindrucksvoll belegt.
Annähernd 14000 Wörter des alltäglichen und wissenschaftlichen Sprachgebrauchs lassen sich auf die lateinische Sprache zurückführen. Der Lateinunterricht leistet deshalb einen wichtigen Beitrag zur Erlernung des Fremdwortschatzes und wissenschaftlicher Fachsprachen, die besonders in den Naturwissenschaften, der Technik und Medizin auf dem Lateinischen beruhen.
Latein ist Mutter und Grundlage aller romanischen Sprachen, wie z.B. Französisch, Italienisch und Spanisch. Aber auch das Englische hat über 50 Prozent seines Wortschatzes aus dem Lateinischen übernommen. Mit dem Erlernen des Lateinischen ermöglichen sich die Schülerinnen und Schüler einen leichteren Zugang zu vielen modernen Fremdsprachen.
Da Lateinkenntnisse bis heute Voraussetzung für eine Reihe von Studiengängen, zum Bespiel für Medizin, Theologie, einige Lehramtsstudiengänge und Archäologie sind, und auch für das Doktorat in Rechtswissenschaften das Latinum vorgeschrieben ist, können wichtige Studienvoraussetzungen durch das Erlernen von Latein schon in der Schulzeit erworben werden.
Durch seine besondere Logik und Klarheit unterstützt Latein wesentlich den Aufbau des systematischen und regelhaften Denkens, es trainiert das Gedächtnis, fördert die Konzentration und erzieht zum genauen Lesen.
Auf vielen Gebieten ist die römische Antike die Basis der europäischen Kultur. Sie hat die Geschichte Europas tief geprägt und ist der Schlüssel zum Verständnis von politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen. Auch die moderne Rhetorik beruht bis heute auf der antiken Redekunst. Die römischen Meister der Geschichtsschreibung, Redekunst, politischen Analyse, Satire, Poesie und Philosophie sind deshalb heute hochaktuell, weil viele der von ihnen behandelten Probleme zeitlos sind und sich uns immer wieder neu stellen.
Mit zunehmendem Alter fragen junge Menschen immer mehr nach dem Sinn des Lebens oder dem richtigen moralischen Handeln. Römische Philosophen wie Seneca und Cicero machen sich in ihren Werken Gedanken, wie menschliches Zusammenleben in einem Staat gelingen kann, was Moral ist und warum es überhaupt wichtig ist, ein moralisches Leben zu führen. Die Antworten, die sie geben, können zu einer gelingenden Auseinandersetzung mit Grundfragen des menschlichen Daseins beitragen.